5. – 8. Schuljahr

Moritz Becker

Der Klassenverband beginnt um 6:30 Uhr!

Regeln im Klassenchat

Während man selbst froh wäre, noch fünf Minuten länger schlafen zu können, begeben sich einige Schülerinnen und Schüler schon wieder ins schulische Umfeld. Kaum sind sie wach, sind sie „on und der Klassenchat wird eröffnet. Von diesen und anderen Auswüchsen ist zu hören, seit das Handy für Kinder und Jugendliche selbstverständliches Gebrauchswerkzeug geworden ist. Können Klassenregeln ein verändertes Verhalten erreichen oder bleiben sie eher wirkungslos?

„Wir brauchen einen Klassenchat ist in fast allen Schulklassen spätestens ab Jahrgang 5 teilweise früher die Meinung der Schülerinnen und Schüler. Zurzeit ist WhatsApp als verbreitetster Messenger das Mittel der Wahl. In den allermeisten Fällen sind die Klassenlehrkräfte nicht Mitglieder dieser Gruppen. Dies geschieht nicht nur aus Datenschutzgründen, sondern oft auch, um sich vom Freizeitgeschehen der Klassen abzugrenzen. Denn eines kann ganz deutlich festgestellt werden: Die Hauptaktivitäten in den WhatsApp-Klassengruppen finden nachmittags außerhalb der Unterrichtszeit und zu Hause statt. Dennoch hat die Kommunikation im Chat massiven Einfluss auf den Alltag in der Schule. Hierbei klagen Lehrkräfte wie auch die Klassen selbst sowohl über Konflikte, die bei WhatsApp eskalieren, als auch über Stress beim Aufkommen von teilweise über 500 Nachrichten am Tag im Klassenchat.
Leidensdruck Stress
Eine konstruktive Nutzung ist aus Sicht der Klassen oft nicht möglich: „Wenn du wissen willst, ob morgen Sport ausfällt, und du bekommst nur Kätzchenvideos als Antwort, macht einen das richtig wütend, befand ein Schüler. „Es ist ja nett, wenn alle ‚Guten Morgen schreiben. Aber ich sitze dann immer beim Frühstück und meine Eltern regen sich auf, dass mein Handy dauernd vibriert, erklärt eine Mitschülerin.
Auf die Frage, warum dann so viel zumindest scheinbar Sinnloses geschrieben wird, lautet die Antwort: „Weil wir uns mögen. Genau hier liegt auch die Ursache für das, was dann als „Spam wahrgenommen wird: Wenn Menschen zusammenkommen, ergibt sich Smalltalk. Genau das passiert auch bei WhatsApp. Es geht um das Banale aus dem Alltag und Fragen nach Hausaufgaben gehen schnell unter.
Um die Nachrichtenflut einzudämmen, kommen die Klassen oft selbstständig auf die Idee, Regeln aufzustellen. Doch die Regel, nur noch „sinnvolle Dinge zu schreiben, funktioniert eher selten. Wenn der Bedarf nach Smalltalk vorhanden ist, wird diese Regel schnell gebrochen zu sinnvoll erscheint ein „Was macht ihr gerade?.
Entlastender sind zwei Gruppen: eine Gruppe mit eindeutigem Schulbezug und eine für Smalltalk (im Schüler-Jargon oft Spam-Gruppe oder Laber-Gruppe genannt). Die Chance ist jetzt, die Smalltalk-Gruppe auf stumm zu stellen: „Dann nervt sie nicht und wenn ich Zeit habe, lese ich das alles. Sonst halt nicht, so die Einschätzung einiger Schülerinnen und Schüler.
Die Regeln der Schülerschaft sind die besten
Über die Idee der zwei Gruppen hinaus lassen sich natürlich auch andere Probleme im Klassenchat angehen. Viele Lehrkräfte haben das Bedürfnis nach einem generell gültigen Regelwerk, das dann auch für die eigene Klasse gilt am besten ein Regelwerk, das sich auch schon in anderen Klassen bewährt hat. Hier ist allerdings festzustellen, dass es dann um Regeln der Lehrkraft geht, die nicht zwangsläufig auf die Bedürfnisse der Klasse zugeschnitten sind. Hinzu kommt, dass Rebellieren gegen die Gruppenregeln eine Möglichkeit der Rebellion gegen die Lehrkraft ist. Je mehr die Regeln allerdings als Produkt der Klasse verstanden werden, desto leichter fällt es, sich daran zu halten. Dieser Prozess fällt den Klassengemeinschaften leichter, wenn die Schülerschaft einer Schule generell an der Organisation des Schulalltags partizipieren kann.
Darüber hinaus haben die Schülerinnen und Schüler durch ihre Alltagserfahrungen in sozialen Medien Expertenwissen, das es zu nutzen gilt. So...

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