1. – 10. Schuljahr

Christiane Welk

Einander mit Wertschätzung begegnen

Gewaltfreie Kommunikation und Klassenleitung

Wie heißt es so schön? Der Ton macht die Musik! Gewaltfreie Kommunikation ist allerdings mehr als bloß der freundliche Tonfall. Sie beinhaltet den einfühlenden Blick auf die eigenen Bedürfnisse und die Bedürfnisse des Anderen und vor allem: dies auch auszudrücken und zu vermitteln. Gewaltfreie Kommunikation hat viel mit Beziehung, Vertrauen und Wertschätzung zu tun und damit, welche Haltung man sich gegenseitig entgegenbringt zum Nutzen aller.

Gewaltfreie Kommunikation ist ein von Marshall Rosenberg entwickelter Kommunikations- und Konfliktlösungsweg. Er unterstützt uns, in eine wertschätzende und einfühlsame Verbindung zu gehen mit uns selbst und mit anderen.
Dahinter steckt eine Haltung, die davon ausgeht, dass alles, was wir Menschen tun, darauf ausgerichtet ist, unsere Bedürfnisse zu erfüllen. So gibt es für jede Handlung einen „guten Grund. Manchmal wählen wir dazu Strategien, denen nicht alle zustimmen können.
Diese Sprache und Haltung ist noch nicht vollständig in der Schule angekommen es wird nach wie vor Vieles zu Vieles unter dem Blickwinkel der Bewertung angesehen und entsprechend kommuniziert. „Das hast du gut gemacht als Rückmeldung, Belobigungsstempel, Sternchen, Smilies etc. sind Ausdruck dieser Haltung. Wertneutraler formuliert könnte ich z.B. sagen: „Mir gefällt dein Bild, weil du so viele Farben verwendet hast und es dadurch so bunt ist Der Schüler, dem ich das so sagte, fing an zu lächeln und bedankte sich.
Ein anderer Schüler berichtete von einem Streit, den er am Abend vorher mit seinem Vater hatte (er durfte wegen des Ärgers auch nicht zum Fußballspiel) und deshalb ohne Hausaufgaben in die Schule kam. Ich sagte daraufhin: „Warst du so genervt und frustriert, weil du so viel Ärger hattest und dann zu gar nichts mehr Lust hattest, so dass du nur noch deine Ruhe haben wolltest?
Schon hier konnte ich seine Erleichterung spüren. Am Ende des Gesprächs bedankte er sich für mein Verständnis und lieferte die Hausaufgaben zum ausgemachten Zeitpunkt ab.
Hier war eine Verbindung geschaffen, war Kontakt entstanden, ein Kontakt, der von Aufrichtigkeit auf beiden Seiten und Gleichwertigkeit geprägt war.
Ich erlebe immer wieder, wie sehr ich als Klassenlehrerin als Vorbild wirksam mit dieser Haltung bin: Der Ton wird rücksichtsvoller, und wenn es mal danebengeht, ist eine Klärung leichter möglich.
Natürlich gibt es auch schwierige Situationen. Und in diesen gespannten Situationen hilft die Gewaltfreie Kommunikation mit ihren Prinzipien (s. Kasten) ungemein. Gleichzeitig ist es auch eine Herausforderung, als Lehrerin bzw- Lehrer mit dieser Haltung den Schülerinnen und Schülern gegenüberzutreten, und diese Haltung in der Schule zu leben.
Ich weiß, dass ich es nicht immer schaffe, dass ich auch mal schlechte Tage habe und unzufrieden bin und dieses auf die Schülerinnen und Schüler übertrage.
Doch mit der Haltung der Gewaltfreien Kommunikation im Hinterkopf kann ich erkennen, wenn ich nicht adäquat reagiert habe und es später am Tag oder am nächsten Tag wieder geraderücken.
Prinzipien der Gewaltfreien Kommunikation
Prinzipien der Gewaltfreien Kommunikation
  • Wir sind alle Menschen.
  • Unsere Bedürfnisse sind universell: Jeder Mensch hat dieselben Bedürfnisse, unabhängig von Kultur, Geschlecht, Hautfarbe, Religion, Alter etc.
  • Es gibt viele Wege/Strategien, ein Bedürfnis zu erfüllen.
  • Die Wurzeln von Gefühlen sind Bedürfnisse. Gefühle sind Wegweiser zu erfüllten bzw. unerfüllten Bedürfnissen.
  • Ich bin verantwortlich für meine Gefühle; Handlungen anderer sind nur ein Auslöser für meine Gefühle.
  • Es gibt kein „Gut oder „Schlecht, kein „Richtig oder Falsch.
  • Einfühlung/Empathie ist ein Bewusstseins-zustand, bei dem ich für mich oder einen anderen Menschen präsent bin.
  • Empathie ist die Basis, um anderen einfühlend begegnen zu können.
  • Konflikte entstehen auf der Ebene von Strategien/W...

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