5. – 10. Schuljahr

Nikola Poitzmann | Markus Weweler

Man schützt, was einem wert ist

Wenn Schülerinnen und Schüler am Stillen Örtchen den Ton angeben

Bei Schultoiletten handelt es sich nicht selten um Örtlichkeiten, mit denen alle unzufrieden sind und die zu vielen Konflikten führen. Im Jahr 2010 sollte sich durch anstehende Renovierungsarbeiten der WC-Anlagen im Schulzentrum Wolbeck etwas ändern. Und zwar nicht nur in den Toiletten selbst, sondern auch in den Köpfen der Lernenden, der Eltern sowie der Lehrerinnen und Lehrer.

Serie: Lernumgebungen
Serie: Lernumgebungen
Mit dieser Ausgabe beginnen wir eine kleine drei- bis vierteilige Serie zum Thema „Lernumgebungen. Unser letztes Heftthema hat sich vorrangig mit der Gestaltung von Lernumgebungen und ihren inhaltlichen Konzepten aus-einandergesetzt. Die Beiträge dieser Serie beschäftigen sich nun u.a. mit inneren Lernräumen und aulßerschulischen Lernorten, aber auch vielleicht etwas ungewöhnlich mit dem leidigen Thema der Sauberhaltung von Schultoiletten. Im eigentlichen Sinne ist dieser wichtige Ort einer Schule zwar kein Lernort, doch Verantwortung zu übernehmen, lässt sich schließlich auf verschiedenste Weise lernen.
Sie stinken und sind dreckig. Wer das Wort Schultoilette hört, wird dabei wohl selten an einen Ort des Wohlbefindens denken. Auch die Toiletten an der Realschule Wolbeck in Münster wurden von den Schülerinnen und Schülern als unhygienisch empfunden. Der Zustand der Toiletten spiegelte die Hilfslosigkeit aller Beteiligten wider.
Kommentare wie „Wir können das nicht verändern oder „Hier benehmen sich doch alle so! waren auf der Seite der Schülerinnen und Schüler zu hören, von den Lehrkräften wurde folgende Einschätzung formuliert: „Ihr seid nicht dazu in der Lage, die Toiletten sauber zu halten!
Schultoiletten gelten ähnlich wie öffentliche Sanitäranlagen in Städten oft als reine Zweckeinrichtungen. Ihre Gestaltung ist meist auf das Notwendigste und Zweckorientierte reduziert. Die Nutzung erfolgt möglichst nur bei absoluter Notdurft und wird von vielen Schülerinnen und Schülern lieber vermieden. Ein Benutzer kann spüren, dass seinen Emotionen bei der Gestaltung der Toiletten keine Beachtung geschenkt wurde. Allerdings erwartet auch niemand etwas anderes.
Wertschätzender Gegenentwurf
Der Düsseldorfer Konzeptkünstler Hans-Peter Feldmann spielte durch seinen Beitrag zu den Skulptur-Projekten 2007 in Münster mit dieser negativen Erwartung und schuf unter dem Domplatz öffentliche Toiletten, die den Nutzerinnen und Nutzern durch ihre über den reinen Nutzeffekt hinausgehende Gestaltung Wertschätzung entgegenbringen. Kronleuchter, ausgesuchtes Sanitärinventar, Bilder und Hintergrundmusik machen den Besuch zu einem angenehmen Erlebnis und stellten einen Gegenentwurf zu den tradierten Bildern von öffentlichen WC-Anlagen dar. Die Stadt Münster schützt und erhält diese Toiletten durch die dauerhafte Anstellung einer Servicekraft. Sie kann sich ferner darauf verlassen, dass die Nutzerinnen und Nutzer auch pfleglicher mit den schönen Räumlichkeiten umgehen.
Der Schlüssel zur Lösung: Verantwortung
Von Feldmanns künstlerischem Projekt ließ sich die Schulgemeinde der Realschule Wolbeck inspirieren. Es war Konsens der Schülervertretung, der Lehrerschaft und der Eltern, dass die Verhältnisse vor der Renovierung nur dann nicht wiederkehren, wenn von nun an jeder bereit ist, Verantwortung für diesen Ort zu übernehmen. Folgende Grundsätze sollten diese Bereitschaft stärken:
  • Eine ansprechende Gestaltung sorgt für Wohlbefinden.
  • Dies gibt den Schülerinnen und Schülern wiederum das Gefühl, wertgeschätzt zu sein.
  • Die Lernenden sind dadurch motiviert, ihre Räume zu schützen und sich respektvoll zu verhalten.
  • Alle Schülerinnen und Schüler übernehmen Verantwortung, z.B. durch Aufsichten.
Während die WC-Anlagen im gesamten Schulzentrum renoviert wurden, schloss sich eine Gruppe aus Schülerinnen und Schülern, Eltern und Lehrkräften zusammen, um die Idee...

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