1. – 10. Schuljahr

Mustafa Jannan

Mobbing stoppen effektiv

Mobbing-Intervention nach dem Gegen-Gewalt-Konzept

Schüler-Mobbing ist mit hoher Effektivität und vertretbarem Aufwand im Schulalltag zu lösen. In vielen Fällen wirken die Interventionsmethoden auch bei sogenanntem Cyber-Mobbing. Für die Umsetzung sind Lehr- und Fachkräfte die Schlüsselpersonen, der Erfolg stellt sich jedoch nur dann ein, wenn auch die Klasse miteinbezogen wird.

Mobbing ist die häufigste Gewaltform an allen deutschen Schulen, man unterscheidet dabei zwischen konventionellem Mobbing und Cyber-Mobbing. Viele Menschen verwechseln jedoch die Begriffe „Gewalt und „Mobbing, was die Auseinandersetzung mit dem Thema erschwert. Dabei ist konventionelles Mobbing ganz einfach zu erkennen, es müssen dafür die vier in der Tabelle beschriebenen Merkmale vollständig und gleichzeitig zutreffen. Cyber-Mobbing ist eine spezielle Form der Schikane über das Internet.1 Im Vergleich zum konventionellen Mobbing müssen hier nicht alle der vier beschriebenen Kennzeichen zutreffen. Zudem gibt es einige Unterschiede, die für das Opfer besonders belastend sind: (s. Tabelle: Merkmale von konventionellem Mobbing)
  • Es gibt keine Rückzugsmöglichkeit mehr, die Übergriffe können 24 Stunden am Tag erfolgen.
  • Wenn Texte oder Bilder einmal über das Internet verbreitet worden sind, bleiben sie in der Regel dauerhaft bestehen. Es gibt fast keine Möglichkeit mehr, sie zurückzuholen oder wirksam zu löschen. Auch nach vielen Jahren wird das Opfer immer wieder mit den Schikanen konfrontiert.
  • Dadurch dass Opfer und Täter/in sich bei digitaler Kommunikation nicht sehen, fehlen wichtige Hinweise wie Gestik und Mimik, um z.B. die Motivation hinter den Schikanen zu erkennen bzw. das Leid des Opfers zu erkennen.
Je älter eine Schülerin/ein Schüler ist, desto unwahrscheinlicher wird es, dass er oder sie zum Mobbing-Opfer wird. Konventionelles Mobbing ist daher an Grundschulen zahlenmäßig am häufigsten. Andererseits verfestigt sich die Beziehung zwischen Täter/in und Opfer mit zunehmendem Alter immer mehr. Das Risiko, Mobbing-Opfer zu werden, nimmt also ab, die Dauer und Intensität jedes einzelnen Falls jedoch zu. Bei Cyber-Mobbing gibt es hingegen einen Altersgipfel zwischen dem 13. und 15. Lebensjahr (s. Grafik 1 + 2 ).
Mobbing ist ein Prozess, in dem eine beliebige Person außerhalb des Werterahmens einer Gruppe gestellt wird, womit die Schikanen schlussendlich sogar legitimiert werden. Es ist in der Verantwortlichkeit von Schule, den Werterahmen wiederherzustellen und das Opfer wirksam zu schützen. Dabei ist es unerheblich, ob der Leidensdruck des Schülers/der Schülerin von außen nicht ohne Weiteres nachvollziehbar ist: Was Mobbing ist, entscheidet immer das Opfer selbst, denn jeder Mensch hat seine eigene Erlebenswelt. Wichtig ist, dass das Gegenüber in der Lage ist, dem „Stopp des Anderen zuzuhören und es zu respektieren. Diese Fähigkeit muss heutzutage leider oft erst mühsam vermittelt werden. Hier nehmen Schulen eine wichtige Rolle ein, denn sie sind an einer Schlüsselstelle des sozialen Miteinanders.
Zudem betrifft Mobbing nicht nur Opfer und Täter/in, sondern immer die gesamte Klasse (oder bei Cyber-Mobbing einen erheblichen Teil der Beteiligten). Durch sein Verhalten ermöglicht ein Großteil der Schülerinnen und Schüler erst diese Entwicklung. Neben dem Täter/der Täterin und dem Opfer kann man typischerweise die folgenden vier Rollen unterscheiden :
  • Assistenten unterstützen den Täter/die Täterin aktiv.
  • Verstärker feuern bei Schikanen den Täter/die Täterin an oder lachen mit.
  • Außenstehende oder Bystander beobachten die Schikanen, beteiligen sich jedoch nicht aktiv daran.
  • Unterstützer gehen aktiv gegen die Angreifenden vor.
Um Mobbing zu beenden, muss daher die große Gruppe der Außenstehenden aktiviert werden, dann haben Täter/in und Assistenten in der Regel keine Chance mehr.
Dass Mobbing an Schulen so oft vorkommt, hat mehrere Gründe, von denen einer...

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