3. – 10. Schuljahr

Mike Zergiebel

Ausgewogen motivieren

Eine Feedbackkultur mit dem Feedbackburger etablieren

Gelingendes Lernen setzt sich aus verschiedenen Bausteinen zusammen so wie ein Burger eben aus mehreren Zutaten besteht. Individuelles und motivierendes Feedback ist ein wesentlicher Bestandteil davon und bietet die Chance, besondere und nachhaltige Lernprozesse anzustoßen.

Eine Schülerin meiner damals 8.Klasse begann eine Präsentation vor der Klasse mit den Worten: „Nach meiner letzten Präsentation bekam ich als Rückmeldung, dass ich Fremdwörter und Fachbegriffe vorher erklären sollte, damit man das besser versteht. Deshalb habe ich euch die Fremdwörter, die ich in meinem Vortrag benutzen werde, an die Tafel geschrieben und die Erklärung dahinter …“
Kinder und Heranwachsende (und nicht nur die) brauchen Rückmeldung, damit sie sich in unserer komplexen Welt mit ihren vielfältigen sozialen Strukturen und Anforderungen orientieren, damit sie ihr Verhalten bewusst steuern können. Am Anfang übernehmen das natürlich die Eltern und weitere nahestehende Personen. Mit zunehmendem Alter werden aber auch die Gleichaltrigen immer wichtiger ihre Meinung und Ansichten sind für die Heranwachsenden bedeutsam und werden oft eher berücksichtigt und ggf. umgesetzt als die von Erwachsenen und Lehrpersonen. Natürlich geben sich Schülerinnen und Schüler ständig Feedback: privat, in den Pausen und in den sozialen Netzwerken. Wenn es gelingt, diese wichtigen Rückmeldungen bewusst einzuüben und zu steuern, kann daraus ein Erkenntnisgewinn erwachsen, der vielleicht nachhaltiger ist als eine Rückmeldung von der Lehrkraft. Gerade zu Beginn einer neuen Klasse, z.B. in einer weiterführenden Schule, sollte eine Atmosphäre der Wertschätzung und des fairen Umgangs miteinander etabliert werden. Alle Menschen, und Heranwachsende besonders, wollen wahrgenommen werden; Feedback ist eine der wichtigsten Formen der Wahrnehmung durch andere. Sie ist sogar mehr als Wahrnehmung, sie ist eine Botschaft des gemeinsamen Miteinanders: „Ich nehme dich wahr, ich höre dir zu, ich sage dir offen, wie das, was ich höre auf mich wirkt …“ Bezogen auf das Lernen ist es ein sehr machtvolles und wirksames Instrument, weil es nicht nur das Lernergebnis (summative Beurteilung), sondern auch den Lernprozess (formatives Feedback) mit einbezieht. Es ist, um mit Hattie zu sprechen, das „Visible Learning par excellence, dessen Effektstärke mit am höchsten ist.
Feedback ist vor allem dann lernförderlich, wenn wesentliche Bedingungen erfüllt sind. So sollte das Feedback einen festen Platz im Lernprozess einnehmen und auch öfter, nicht nur am Ende einer Unterrichtseinheit gegeben werden. Das Feedback bezieht sich auch auf die Arbeitsweise, ist individuell und nicht vergleichend. Es ist eingebettet in eine positive Feedbackkultur, die ausdrücklich auch Fehler als Chance begreift und sie zum Lernprozess zugehörig sieht.
Gegenseitige Feedback-kultur entwickeln
Bei der hier vorgestellten Methode geht es um Feedback zwischen den Lernenden, die schon von Anfang an eingeübt und ritualisiert werden kann. So können Rückmeldungen von Schülerinnen und Schülern ab der 5. Klasse durch den „Feedbackburger spielerisch gegeben werden. Nach jeder Präsentation vor der Klasse oder auch dem Vortragen eines selbst geschriebenen Textes, einer besonders ausführlich angefertigten Hausaufgabe etc. gibt es zunächst eine kurze Würdigung, z.B. Applaus, an den sich dann inhaltliche Fragen anschließen. Sind diese geklärt, geben die Mitschülerinnen und -schüler eine Rückmeldung nach folgendem Muster:
  • Mir hat an deiner Präsentation gefallen, dass
  • Mir ist aufgefallen, dass
  • Das hat bei mir bewirkt, dass ich …
  • Ich gebe dir den Tipp, dass
  • Zusammengefasst
Die Feedbackgeber zeigen durch Meldung an, dass sie eine Rückmeldung geben wollen; der Feedbacknehmer entscheidet selbst, wen und wie viele er drannimmt. In der Regel sind Rückmeldungen von drei Feedbackgebern genug....

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