1. – 10. Schuljahr

Das besondere Buch

Als John Hattie 2008 eine Forschungsbilanz zur Wirksamkeit von Lehren und Lernen unter dem Titel „Visible Learning. A synthesis of over 800 meta-analyses relating to achievement veröffentlichte, entstand ähnlich wie 2000 nach der ersten PISA-Studie eine intensive Diskussion über deren Bedeutung und Tragfähigkeit. Der Neuseeländer John Hattie hatte in 15-jähriger Arbeit über 800 Meta-Analysen gesammelt, gesichtet und ausgewertet.
Die deutsche Übersetzung unter dem Titel „Lernen sichtbar machen erschien 2013, und sie wirkte teilweise wie Balsam für durch PISA und TIMMS gekränkte Lehrerseelen: „Auf den Lehrer kommt es an wurde verkürzend zusammengefasst.
Kritiker der empirischen Bildungsforschung wägten ab: Zwar würden Hatties Aussagen zur Unterrichtswirksamkeit von anderen Studien oder auch von Überblicks-Sammlungen von Forschungsergebnissen in der Regel geteilt (Olaf Köller), aber die Ablösung der Erkenntnisse von konkreten Kontexten (z.B. bildungspolitischen Zielen, sozialem Kontext, fachlicher Inhalt) mache diese für die Unterrichtspraxis nur eingeschränkt verwertbar. Allgemeine Aussagen seien als Hypothesen nutzbar, nicht aber als Vorschrift für den Unterricht (Hans Brügelmann). Der „Heilige Gral sei mit Visible Learning noch nicht gefunden (Ewald Terhart).
In schneller Folge sind seitdem englische und deutsche Fortschreibungen und Ausarbeitungen erschienen. Im Jahr 2017 also dieses Buch zum Mantra an Lehrkräfte „Know thy impact „Kenne deinen Einfluss! Klaus Zierer, der die deutschsprachigen Versionen von Visible Learning verantwortet, hat diesen Band gemeinsam mit John Hattie erarbeitet. Die Autoren kritisieren, dass Hattie bisher unzureichend verstanden worden sei, was bei Lehrpersonen Unsicherheit ausgelöst haben könnte. Es ginge „um das Verstehen empirischer Daten mit dem Ziel, sie für die Unterrichtspraxis fruchtbar zu machen (S. 12). Bewusst und entsprechend vorsichtig diskutiert Zierer die Probleme, die bei der Übersetzung aus dem Englischen und bei der Übertragung von empirischen, vorwiegend im angelsächsischen Bereich ermittelten Studienergebnissen auf deutsche Verhältnisse entstehen.
Während im ursprünglichen Band „Visible Learning zunächst die Ergebnisse der Studien bzw. Metaanalysen nüchtern und objektiv vorgetragen werden, um daran anschließend geradezu emphatisch normative Empfehlungen für Lehrkräfte als Konsequenz anzuschließen, geht der vorliegende Band umgekehrt vor: Die normativen Impulse werden als zehn Imperative der Selbstreflexion vorangestellt, begründet und mit ausgewählten Faktoren für wirksamen Unterricht aus den Studien belegt. Die Autoren nennen diese Imperative „Haltungen eine m.E. etwas unglückliche Übersetzung von attitudes, die man eher mit Einstellung, innerer Einstellung, Disposition, Wollen, Grundüberzeugung oder didaktischer Standpunkt bezeichnen könnte. Solche Einstellungen, in denen Leidenschaft und Begeisterung für das Unterrichten zum Ausdruck kommt, sind eine wichtige Ergänzung zum pädagogischen Wissen und Können eines Lehrers. Jedes der zehn Kapitel betrachtet eine der folgenden Einstellungen:
1.Rede über Lernen, nicht über Lehren!
2.Setze die Herausforderung!
3.Betrachte Lernen als harte Arbeit!
4.Entwickle positive Beziehungen!
5.Verwende Dialog statt Monolog!
6.Informiere alle über die Sprache der Bildung!
7.Sieh dich als Veränderungsagent!
8.Gib und fordere Rückmeldung!
9.Erachte Schülerleistungen als eine Rückmeldung für dich über dich!
10.Kooperiere mit anderen Lehrpersonen!
Es handelt sich um ein „Arbeitsbuch; jedes Kapitel ist formal gleich aufgebaut. Es beginnt mit einem Fragebogen als Vortest zur Reflexion der Einstellung und einer Vignette als Situationsbeschreibung. Die Ziele des Kapitels und die Faktoren aus „Visible Learning, die die jeweilige Einstellung stützen, werden erläutert und begründet, ergänzt um Ergebnisse aus weiteren Studien. Das Buch gibt Tipps für den Anfang der Unterrichtsplanung,...

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