7. – 10. Schuljahr

Hamed, 15 Jahre Iman, 15 Jahre

„Von meiner Flucht möchte ich in der Klasse nicht erzählen.„Mein größter Wunsch: Ich möchte nicht einsam sein.

Der Afghane Hamed kam im Oktober 2015 nach Deutschland, als unbegleiteter Flüchtling. Da er seit seinem siebten Lebensjahr mit seinen Geschwistern illegal als Flüchtling im Iran lebte, konnte er noch nie eine Schule besuchen. Was er kann und weiß, haben ihm gelegentlich freundliche Nachbarn beigebracht. Diese Bildungschancen waren von kurzer Dauer, denn um die Gefahr zu minimieren, entdeckt und abgeschoben zu werden, wechselten die drei Geschwister in der Regel nach einem halben Jahr den Wohnort. Wie war Hameds Weg in den Regelunterricht an einer Gesamtschule im Kreis Kassel? Er berichtet. Iman ist 16 Jahre alt und lebt mit drei Brüdern und seinen Eltern in einer Kleinstadt in der Nähe von Frankfurt. Er spricht schon recht gut Deutsch und ist außerordentlich lernwillig. Zwei ehrenamtliche Freiwillige bemühen sich, die Familie bei allen Formalitäten zu unterstützen und den Jugendlichen in der Schule zu helfen. Ein 19-jähriger Bruder wird als alleinreisender Erwachsener betrachtet und ist von Abschiebung bedroht, was alle Familienangehörige stark belastet.

Hamed: Zuerst habe ich einen Sprachkurs besucht, da habe ich zwei Monate Deutsch gelernt. Nach diesen zwei Monaten bin ich auf eine Gesamtschule gekommen. Da war ich im Intensivkurs, stundenweise war ich außerdem in einer ganz normalen achten Klasse. Seit Juli 2016 gehe ich ganz in diese Regelklasse.
Klasse leiten: Und wie war es für dich, nach so kurzer Zeit in Deutschland schon längere Texte auf Deutsch schreiben zu müssen?
Der Unterricht war sehr anstrengend, vor allem der Deutschunterricht. Ich habe aber gesagt: „Ich schaffe das! Die anderen Schüler haben gesagt: „Donnerwetter, du kannst ganz gut Deutsch, und das war gut für mich. Jetzt ist es einfacher geworden. Jetzt traue ich mich, in der Klasse zu sprechen, wenn ich eine Frage beantworten kann. Wir machen so zusammen ein bisschen Spaß, das ist gut. Jetzt ist alles ganz normal, ich fühle mich wie ein deutscher Schüler.
Du hattest vorher noch nie eine Schule besucht hast du sie dir so vorgestellt?
Der erste Tag war für mich komisch. Wenn die anderen Schüler gesprochen haben, konnte ich sie manchmal nicht verstehen. Und meine Mathe-Lehrerin hat ganz schnell gesprochen. Manche Worte konnte ich nicht verstehen, aber wenn sie an die Tafel geschrieben hat, war es gut.
Was hat dir denn dabei geholfen, Kontakt zu den anderen Schülern zu bekommen?
In der neunten Klasse hatten wir eine Projektwoche und ich musste auch in eine Gruppe reingehen. Meine Lehrerin hat eine Gruppe gefragt und die haben gesagt: „Hamed kann mitmachen. Die waren wirklich nett.
Hast du in deiner Klasse mal von deiner Flucht erzählt?
Nein, von meiner Flucht möchte ich in der Klasse nicht erzählen.
Gab es noch etwas, was dir geholfen hat?
Ich glaube, im Sommer 2016 war der Intensivkurs zu Ende. Vor den Sommerferien gab es eine Abschlussparty. Es war ein Vorschlag von unserer Schulleiterin, dass sich die Flüchtlinge im Atrium der ganzen Schule vorstellen. Ich war in der Musikgruppe, da habe ich Gitarre gespielt, und dann habe ich mich vorgestellt, vor allen Schülern. Ich habe gesagt, wie ich heiße, wie alt ich bin, woher ich komme und so.
Das hat uns geholfen. Das war gut, denn im nächsten Schuljahr kannten mich in meinem Jahrgang alle. Das war eine gute Idee von der Schulleiterin.
Ich habe auch für sie übersetzt und sowas, als neue Flüchtlinge kamen. Das war für mich gut, ein gutes Gewissen für mich, ich habe gedacht: Ich kann auch den anderen helfen. Dann hat die Schulleiterin leider die Schule gewechselt. Vorher hat sie mir noch viel geholfen. Ich habe sogar ihre Nummer. Sie hat mich den Lehrern vorgestellt: „Das ist Hamed, und wenn ich weg bin, müsst ihr ein bisschen auf ihn aufpassen.
Meine Klassenlehrerin hilft mir auch viel, wenn ich etwas nicht verstehe, erklärt sie es...

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