5. – 10. Schuljahr

Marion Altenburg-van Dieken

Was braucht konstruktive Konfliktbearbeitung?

Konflikte als Chance für die Entwicklung einer Gemeinschaft

Konflikte treten in jeder Gruppe irgendwann auf, sei es unterschwellig oder ganz offensichtlich. Damit sie das Gruppengefüge nicht dauerhaft beeinträchtigen, ist es notwendig, alle Beteiligten zu einem konstruktiven Umgang mit Konflikten zu befähigen. Dafür benötigen Kinder und Jugendliche ein Handlungsrepertoire, das ihnen hilft, Konflikte zu verstehen und gemeinsam zu lösen.

Konflikte sind Bestandteile menschlichen Lebens, deshalb muss der Umgang mit ihnen erlernt und trainiert werden. „Nicht der Konflikt ist das Problem, sondern die Art und Weise, wie damit umgegangen wird (Faller/Kerntke/Wackmann 1996). Das setzt voraus, dass in der Schule konstruktive Konfliktlösestrategien vorgestellt und eingeübt werden müssen, da ungelöste Konflikte problematisch und destruktiv wirken. Konflikte bleiben häufig ungelöst, weil sie verdrängt werden oder die Beteiligten keine Lösung des Problems sehen. Im Übrigen: Auch Konfliktsituationen, die nach dem Motto „survival of the fittest angegangen werden, bleiben sehr oft ungelöst. Dem landläufig ausschließlich negativen Bild von Konflikten soll mit diesem Beitrag ein positiver Konfliktbegriff gegenübergestellt werden.
Die Lehrkraft als Moderator
Sich als Moderator zu verstehen, bedeutet für die Unterrichtenden, auf die Selbstlösungskräfte der Schülerinnen und Schüler zu vertrauen und die eigene Aufgabe darin zu sehen, ein Angebot bereitzustellen und anzuleiten, welches deren Handlungskompetenzen erweitert. Grundsätzlich gilt, dass Entscheidungen zur Lösung eines Konflikts besser von den Beteiligten getroffen werden können als durch eine Autorität von außen. Es sollte davon ausgegangen werden, dass diejenigen, die den Konflikt haben, auch die Lösung in sich tragen.
Die Kinder und Jugendlichen sollten daher lernen, konstruktiv und wertschätzend in konflikthaften Situationen zu handeln, unterschiedliche Sichtweisen zu klären, Wertvorstellungen auszutauschen ohne zu werten, Missverständnisse zu erkennen, Gemeinsamkeiten festzustellen, Unterschiede auszuhalten sowie sich zu behaupten, ohne zu verletzen. Aufgabe ist es nicht, den Konflikt selbst durch Regeln oder Macht zu „beenden, denn dies wird immer nur scheinbar sein, da ein auf diese Weise „weg geregelter Konflikt weiterschwelt und alsbald an anderer Stelle wieder aufflackert. Für die Lehrkraft kann dies eine Herausforderung darstellen, denn sie muss lernen, sich zurückzuhalten, Lösungsaufschub auszuhalten, damit die Akteure selbst aktiv werden und die Erfahrung eigener Lösungskompetenz machen können.
Diese Haltung lässt sich beschreiben mit „Erfahren statt Belehren oder auf der Handlungsebene mit „fragen statt sagen. Es ist unbedingt notwendig, sich nicht als Belehrender zu verstehen, sondern als Anregender, als Beratender, als Moderator. Alle Fortbildungen, die die mediative Haltung schulen, sind in diesem Rahmen förderlich. Das Konzept der Mediation geht von einem positiven Konfliktverständnis aus und trainiert Allparteilichkeit und anerkennendes Lehrerverhalten.
Soziale Kompetenzen einüben
Das Vermitteln sozialer Kompetenzen braucht Training, Raum und Zeit und ist ein fortlaufender Prozess (s.Friedrichs/Klaffke/Zergiebel S. 2), der letztlich nie abgeschlossen ist. Wir müssen davon ausgehen, dass produktives Arbeiten im Unterricht nur möglich ist, wenn Kinder und Jugendliche besonders in der Phase des „Gärens und Klärens (vgl. Langmaack/Braune-Krickau 2012) Möglichkeiten und Fähigkeiten haben, mit Konflikten förderlich umzugehen. Diesen Lern- und Erfahrungsraum zu schaffen, sollte vorrangige Aufgabe der Klassenlehrerinnen und -lehrer sein.
Im Folgenden werden einige Übungen beschrieben, die es ermöglichen, sowohl präventiv zu arbeiten und ein Handlungsrepertoire zu schaffen als auch aktuelle Konflikte zu bearbeiten. Diese Übungen dienen dazu,...

Weiterlesen im Heft

Vorteile im Abo

Exklusiver Online-Zugriff auf die digitalen Ausgaben der abonnierten Zeitschrift
Print-Ausgabe der abonnierten Zeitschrift bequem nach Hause
Zusatzvorteile für Abonnenten im Online-Shop genießen