1. – 13. Schuljahr

Doris Ayaita | Katrin Knoche

Ein Team und doch individuell bewerten müssen

Herausforderungen der teamorientierten Leistungsbewertung

Hauptproblem jeder Teamarbeit in der Schule ist die in sich widersprüchliche systemische Struktur: Einerseits sollte im günstigen Fall die Schule auf das Arbeitsleben vorbereiten, wo die Teamarbeit immer wichtiger wird, andererseits ist sie aber strukturell auf Einzelkämpfertum und selektionierend angelegt. Leistungsbewertungen werden i.d.R. individuell vergeben. Wie lässt sich dieses Dilemma lösen?

Das Problem, welches Leistungsbewertung in Bezug auf Teamarbeit mit sich bringt, wird offenkundig in inklusiv arbeitenden Schulen und in offenen Unterrichtsstrukturen, wo sich sowohl Lehrkräfte als auch Schülerinnen und Schüler als Team verstehen sollten. Dort nehmen sie mitunter ganz neue Rollen im Team ein (Coach, Lernbegleitende/-begleitender und Lernende mit jeweiligem Rollentausch, denn bei Jugend forscht z.B. sind die jeweiligen Lernenden mehr Experten als die Coaches). Wie verläuft in solchen Strukturen die Bewertung? Welche Voraussetzungen braucht es dafür? Die Grundvoraussetzung ist zunächst eine besondere Haltung, die schon in nachfolgender Begrifflichkeit zutage tritt.
Die Haltung
Die Begriffe „Leistungsbeurteilung und „Leistungsbewertung werden synonym verwendet. Wir haben uns bewusst für den Begriff „Leistungsbewertung statt „-beurteilung entschieden, da im Begriff „Bewertung mit dem Wort „Wert die Anerkennung einer Leistung beschrieben wird. Die dabei ersichtliche Haltung ist unserer Meinung nach eine wichtige Voraussetzung für eine konstruktive Teamarbeit. Bei der Leistungsbeurteilung schwingt mit, dass ein „Urteil gefällt wird. Gerade dies führt jedoch in Schule und Berufswelt zu Selektion und Konkurrenzkampf und läuft unserer Auffassung nach sinnvoller Teamarbeit zuwider. Um jedoch eine teamorientierte Leistungsbewertung zu geben, ist eine wertschätzende Haltung eine notwendige Voraussetzung.
Sinnvoll ist nach unserer Erfahrung bereits vor der Leistungsbewertung eine Unterrichtseinheit im Team vorzubereiten. So wird schon mit der Festlegung der Ansprüche an eine Leistungsniveaustufe eine wichtige Struktur für die Bewertung grundgelegt.
Teamorientierte Leistungs-bewertung aus Sicht der Lehrkraft
Die gängige Praxis, die bisher auch im Referendariat gelernt wurde, ist die, dass ein Lehrender für seine Lerngruppe eine Arbeit konzipiert, die in der Regel auf ein Hauptthema eingegrenzt ist und manchmal im Jahrgang ausgetauscht wird. In einigen Fällen wird auch die Punkteverteilung diskutiert. Für uns ist dies ein bereits kleiner Schritt hin zu einer Teamarbeit. Jedoch berücksichtigen solche Absprachen zum einen stark die Sozialnorm (der Klasse bzw. der Schule, um z.B. Wiederholungen der Klassenarbeit zu vermeiden) und zum anderen die kriteriale Bezugsnorm (Bovet/Huwendiek 2006) zur Einhaltung des Curriculums. Die individuelle Bezugsnorm findet dabei wenig Berücksichtigung. Doch gerade diese wird im Rahmen der Inklusion und Heterogenität zunehmend wichtiger. Um bei fachlichen Schwächen individuelle Fortschritte bei der Leistungsbewertung wahrzunehmen, ist die Sichtweise eines Teams sehr unterstützend.
Vor einer Leistungsbewertung sind die fachlichen Voraussetzungen zu fixieren. Ideal wäre, wenn die jeweiligen Fachkonferenzen in Kooperation mit den Förderschullehrkräften für alle Themen aus dem Schulcurriculum festlegen, welche inhaltliche Tiefe pro Schulform bzw. pro Niveau erreicht werden muss (kriteriale Bewertung), das soziale Umfeld der Schule findet dabei Berücksichtigung (soziale Bewertung). Ganz generell kann dazu ein Raster genutzt werden, welches bei den Aufgabenprofilen Anforderungen an ein Niveau festlegt (Ayaita/Knoche 2019). Die Aufnahme eines solchen Konzeptes in das Schulcurriculum gewährleistet eine maximale Transparenz für alle Beteiligten (s.  Tabelle 1 ). Danach kann mit einem solchen Raster ein...

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