5. – 13. Schuljahr

Hermann Wübbels

Einfach ist es nicht, aber es lohnt sich!

Erfahrungen mit über 30 Jahren Teamarbeit

Von den Vorteilen der Teamarbeit sind sehr viele Menschen überzeugt, praktiziert wird sie immer noch vergleichsweise selten. Es gibt Hindernisse auf dem Weg zu ihr, und es gibt Möglichkeiten, diese zu überwinden. Unser Autor berichtet von seinen Erfahrungen aus mehr als drei Jahrzehnten Arbeit an einer der ersten Teamschulen in Deutschland (Köln-Holweide). Es ist selbstverständlich ein subjektiver Blick auf die Schule Köln-Holweide und die damalige Teamarbeit, denn neben den Teams, in denen er selbst arbeitete, gab es noch etwa 20 andere.

Entscheidend bei der Teamarbeit war für mich in erster Linie die Freude am gemeinsamen Tun und als sehr angenehm habe ich stets die Entlastung erlebt, die sich durch Aufteilung der Verantwortung ergab. Mir fällt keine Situation ein, in der ich mir gewünscht hätte, nicht in einem Team zu arbeiten. Die Zufriedenheit mit dieser Arbeitsform ist im Laufe der Zeit eher gestiegen, zum Beispiel als unsere Schule begann, den Integrationsversuch einer benachbarten Grundschule fortzusetzen. Sonderschullehrkräfte kamen zu uns und begannen, im Team mitzuarbeiten. Unser Blick auf das Unterrichtsgeschehen hat sich dadurch enorm geweitet, und unser Methodenrepertoire wurde deutlich größer.
Es gab im Laufe der Schulentwicklung aber auch immer wieder Momente, in denen es nicht einfach war häufig ist es gelungen, diese Schwierigkeiten zu überwinden. Einige davon stehen offensichtlich heute immer noch der Teamarbeit im Wege.
Teamarbeit muss man wollen
Mit dem Hauptproblem in diesem Kontext, der Frage, wie man es schafft, einen Beschluss zur flächendeckenden Einführung von Teamarbeit in einer Institution herbeizuführen, hatten wir zunächst gar nicht zu tun. Sie gab es schon, als die Schule im Jahre 1975 ihren Betrieb aufnahm. Das Konzept hatte eine Gruppe von Kolleginnen und Kollegen geschrieben, die aus der Entwicklung der bestehenden Gesamtschulen (die unter der Anonymität in den großen Systemen litten) ihre Schlüsse gezogen und das Team-Kleingruppen-Modell entwickelt hatten. Jeweils drei Klassen eines Jahrgangs bilden mit einer Gruppe von sechs bis acht Kolleginnen und Kollegen eine kleine Schule innerhalb der großen. In den Klassen sitzen die Schülerinnen und Schüler in Tischgruppen von fünf bis sechs Personen und erledigen hier einen großen Teil ihrer Arbeit. Jeweils zwei Kolleginnen/Kollegen teilen sich die Leitung einer Klasse, und in einer wöchentlichen Teamsitzung wird die pädagogische Arbeit geplant.
In den ersten Jahren hatte die Schule ein Mitspracherecht bei der Auswahl der Bewerberinnen und Bewerber, sodass zunächst nur diejenigen an die Schule kamen, die ausdrücklich bereit waren, sich auf Teamarbeit einzulassen. Später strich die Schulaufsicht dieses Recht und es kam erwartungsgemäß zu Problemen mit Lehrpersonen, die nicht auf Teamarbeit eingerichtet waren. Wenn das Modell zu diesem Zeitpunkt noch nicht so stark etabliert gewesen wäre, hätte es dadurch kippen können!
Damit diese „kleinen Schulen sich nicht innerhalb der großen verselbstständigen und auseinanderentwickeln, gibt es eine ganze Reihe von koordinierenden Konferenzen, für die ein Nachmittag im Ganztag freigehalten wird. Die Teamsitzung ist die wichtigste dieser Konferenzen, und in der Anfangsphase reichte den meisten Teams der im Konferenzraster vorgesehene Nachmittagstermin nicht, sodass auch abends getagt wurde, zu Beginn in vielen Teams einmal pro Woche.
Veränderungen brauchen Zeit
Ein großer Teil des Kollegiums kam mit einem hohen basisdemokratischen Impetus direkt von der Universität. Wir kamen mit dem Wunsch, an dieser Schule alles ganz anders zu machen aus der „Untertanenfabrik eine Organisation zu formen, die weitgehend selbstbestimmtes Arbeiten und Lernen ermöglicht. Wir gingen mit hohem Engagement an die neuen Aufgaben an der neuen Schule heran und waren auch bereit, mehr Zeit...

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