1. – 13. Schuljahr

Hannelore Lehmann | Ulla Widmer-Rockstroh

Gemeinsam vom Schulbeginn bis zum Schulabschluss

Teamaufbau und Teamstrukturen für die Gemeinschaftsschule (1 – 13)

Das Konzept der Berliner Gemeinschaftsschulen sieht Langformschulen vom 1. bis zum 10. Jahrgang vor, die um eine gymnasiale Oberstufe erweitert werden können. Hierfür haben sich Grund- und Sekundarschulen beworben, die umstrukturiert und zusammengelegt werden. Die Teamentwicklung in der neuen Schulform ist ein anspruchsvolles Vorhaben.

Wenn verschiedene Schulen und sogar Schulformen ein strukturell und pädagogisch-didaktisch gemeinsamer Lern- und Lebensort werden sollen, ist das äußerst schwierig. Jede Schule ist ein eigenständiges System. Es bestehen erhebliche Unterschiede auf allen Ebenen zwischen den verschiedenen Sekundarschulen, aber insbesondere zwischen Grundschulen (GS) und Sekundarschulen (SEK):
  • unterschiedliche Studiengänge und Besoldung der Lehrkräfte
  • Klassenlehrerorientierung in GS versus Fachlehrerstrukturen in SEK
  • Funktionsstellen für Fachbereiche etc. in SEK, nicht jedoch in GS
  • eher kindbezogen-ganzheitlich pädagogisch-didaktische Orientierung in GS contra Fachorientierung und fachspezifisches Lernen in einem stark gefächerten Stundenplan der SEK
  • große Heterogenität der Schülerschaft in den GS, entsprechende Erfahrungen mit Differenzierung, homogenere Schülergruppen und Ausleseanspruch in SEK
  • zunehmende Erfahrung mit dem gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderungen in den GS, geringere in SEK, oft mit Reduktion auf bestimmte Formen der Beeinträchtigung
  • zunehmende Praxis jahrgangsübergreifenden Lernens (JÜL) in GS, kaum Anspruch und Erfahrung in SEK
  • sehr unterschiedliche Handhabung von Bewertungsformen und Zensurengebung in den Schulformen
  • unterschiedliche Entwicklungen von Ganztagsangeboten und Zeitstrukturen des Schultags in offener oder gebundener Form in den Schulformen
Außerdem finden sich deutliche Differenzen zwischen den Sekundarschulformen in Bezug darauf, wie sie im Unterricht differenzieren. Zudem bestehen äußere Differenzierungsstrukturen in der Gesamtschule.
Vor allem gibt es in den Schulformen völlig unterschiedliche Teamerfahrungen. In unserem Umfeld haben am ehesten Gesamtschulen selbstverständlich Teamkonzepte und verankerte Teamstrukturen. Fachteams in Form von Fachkonferenzen sind in Sekundarschulen verbindlich, Jahrgangsteams scheinen manchmal nur auf dem Papier zu existieren.
Die Grundschulen in unserem Umfeld haben seltener Teamkonzepte, Teams bilden sich ganz unterschiedlich, wechselnd und zufällig innerhalb einer Klasse oder Klassenstufe (horizontal); Fachkonferenzen passen vom Prinzip oft nicht zu kleineren Grundschulen (vertikal), sollten zwar bestehen, aber sind eher unbeliebt, finden im Allgemeinen selten, zum Teil gar nicht statt.
Bildungspolitische Forderungen nach Kooperation zwischen Grundschulen und den verschiedenen Sekundarschulen, die auch zunehmend in Verwaltungsvorschriften formuliert werden, um den Übergang nach Klasse 6 besser zu bewältigen, beschreiben vor allem formalisierte Strukturen wie beispielsweise Kooperationsverträge, gemeinsame Konferenzen und Absprachen. Sie lassen jedoch Vorgaben für nachhaltige Begegnungen, Teambildung und kontinuierlicher Zusammenarbeit der Pädagoginnen und Pädagogen vermissen. Zum Beispiel wären „Übergangsteams wünschenswert, die durch Kenntnis der Schülerinnen und Schüler deren Wechsel in die Sekundarschulen tatsächlich helfend begleiten können und vermeiden, dass die Schülerinnen und Schüler beim Schulwechsel wahllos gemischt werden. Solche „Übergangsteams gibt es jedoch im gegliederten Schulsystem nicht.
Aufgrund dieser Rahmenbedingungen und Unterschiede haben wir zwischen den Schulformen viel Unkenntnis übereinander, sogar Missachtung und Überheblichkeit beobachtet. Vor diesem Hintergrund sollten nun die Schulen als Gemeinschaftsschule eine gemeinsame Schule bilden. Tatsächlich haben wir beim Start der ersten Berliner...

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