1. – 13. Schuljahr

Thomas Klaffke

Klasse im Team leiten

Die Ressourcen aller nutzen

Hand in Hand im Team zusammenzuarbeiten gelingt nicht reibungsfrei, aber Einzelne allein können eben auch nicht immer all die Herausforderungen bewältigen, die das Schulleben heutzutage mit sich bringt. Es braucht Zeit, um ein Team zu werden, Konzepte und Abstimmungsprozesse werden benötigt doch die Entlastung, die ein gut funktionierendes Team ermöglicht, kann an vielen anderen Stellen sinnvoll genutzt werden.

Ein sonderbar Ding ist die Teamarbeit, könnte man frei nach Hugo von Hofmannsthal sagen. Für die einen ist sie die Conditio sine qua non, ohne die eine Schulentwicklung nicht erfolgreich sein kann, für die anderen ist sie ein Schreckensbild, und wenn sie eingeführt ist, eine lästige Pflichterfüllung das höre ich bei Fortbildungen und Beratungen immer wieder. Fragt man nach, hat das oft mit negativen Erfahrungen zu tun. Teamarbeit wird als Zeitverschwendung empfunden, manchmal auch als „Psycho-Chose, da hier auch Privates zur Sprache gebracht werde und die gruppendynamischen Prozesse zu viel Gewicht bekämen (s. Beitrag Hermann Wübbels). Und meinem Eindruck nach sind viele Lehrpersonen immer noch vom Referendariat gezeichnet, wo sie sich unter ständiger Beobachtung und Bewertung gefühlt haben, und daher froh zu sein scheinen, wenn sie die Tür zum Klassenzimmer hinter sich zumachen und hier schalten und walten können.
Teamarbeit muss Sinn ergeben
Nun ist Teamarbeit aus meiner Sicht kein Wert an sich und sie sollte nicht überhöht werden. Sie muss Sinn ergeben. Und Sinn ergibt sie vor allem aus zwei Gründen: Erstens sind Schulen keine Gebäudehüllen für unabhängig voneinander Agierenden, sondern gesellschaftliche Einrichtungen, in denen Lehrpersonen gemeinsam an der Bewältigung gesellschaftlich gestellter Herausforderungen arbeiten, die vor allem darin bestehen, dass Kinder und Jugendliche ein gutes Fundament für ihr Leben als Erwachsene bilden können gerade die letzten Monate haben gezeigt, wie groß diese Herausforderungen sind, aber auch welche Bedeutung Schule als Sozialraum hat.
Die Lehrpersonen müssen natürlich nicht in allem übereinstimmen, aber eine gemeinsam erarbeitete Wertvorstellung ist genauso wichtig wie Grundzüge eines gemeinsamen Konzepts von Lehren und Lernen. Die Zeiten von „Ich und meine Klasse sind wirklich vorbei. Die althergebrachte Einstellung vieler Lehrkräfte, sich als Einzelkämpfende zu sehen, wird den veränderten Anforderungen an die professionelle Ausübung des Lehrberufs nicht mehr gerecht. Eine heterogene Schülerschaft, Inklusion, Ganztagsschule, herausfordernde Kinder und Jugendliche oder herausfordernde Klassen, das alles ist im Alleingang kaum noch zu bewältigen. Es soll und muss auch gar nicht im Alleingang bewältigt werden, weil die darin enthaltene strukturelle Komplexität der Gesamtsituation Schule diejenigen, die allein für sich kämpfen, überfordert und deren zeitliche und personale Ressourcen verschwendet. Es ist sicher kein Zufall, dass alle Schulen, die den deutschen Schulpreis gewonnen haben, Teamstrukturen entwickelt haben. Ich kann Eltern gut verstehen, die z.B. kritisieren, dass Kinder in der einen Klasse für Kleinigkeiten „rausgeschmissen werden und sich im Klassenraum gegenüber anscheinend alles erlauben dürfen. Oder Eltern, die bemängeln, dass die eine Lehrkraft „hammerharte Arbeiten mit schlechten Notendurchschnitten schreibt und in der Parallelklasse alle Kinder im gleichen Fach ohne Mühe mindestens befriedigende Leistungen bescheinigt bekommen. Teamarbeit ermöglicht die gemeinsame Entwicklung von Unterricht das wird in den folgenden Beiträgen aus verschiedener Sicht immer wieder beleuchtet.
Der zweite Grund, der aus meiner Sicht grundsätzlich für Teamarbeit spricht, ist die Prägung der Lernkultur, die dadurch stattfindet. Kinder und Jugendliche sollen Kooperationsfähigkeit als wichtige Kompetenz für weiterführende Bildungsgänge, Studium und Beruf erwerben,...

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