1. – 6. Schuljahr

Katja Kansteiner | Andrea Kehrer | Bärbel Zink

Mit Toleranz, Geduld und Professionalität

Ein Interview zum Thema, wie Klassenleitung in multiprofessionellen Teams gelingen kann

Von 2017 – 2019 leiteten Bärbel Zink, Grundschullehrerin, und Andrea Kehrer, Sonderpädagogin, zusammen eine inklusive jahrgangsübergreifende Grundschulklasse 1/2. Katja Kansteiner befragte sie zu ihren Erfahrungen.

Katja Kansteiner: Wie ist Ihr Team entstanden?
Bärbel Zink: Wir hatten beide, bevor wir miteinander im Team gearbeitet haben, schon ein paar Jahre Erfahrungen in Teams mit anderen gesammelt und direkt vor unserem gemeinsamen Start sogar schon in einem multiprofessionellen Team.
Andrea Kehrer: Zueinandergefunden haben wir eigentlich durch ein Fachgespräch mit dem baden-württembergischen Sozialminister, bei dem es um die Entwicklung der inklusiven Schule ging. Dort haben wir gemerkt, dass wir auf ganz vielen Ebenen miteinander harmonieren. Als dann ein Personalwechsel in den zwei inklusiven Grundschulklassen anstand, haben wir uns gemeldet, miteinander im Team arbeiten zu wollen. Als wir zusammenkamen, haben wir uns darüber verständigt, was jede in ihren vorherigen Teams gut fand und was davon bei uns zusammenkommen sollte.
Wie haben Sie gemerkt, dass Sie miteinander können?
Bärbel Zink: Man nimmt wahr, mit welcher Haltung sich die andere Person im Kollegium verhält, wie jemand sich für etwas einsetzt, was verändern will. Mit so jemandem hatte ich Lust zusammenzuarbeiten. Du musst nicht mit jemandem befreundet sein, aber es muss eine gewisse Sympathie da sein. Ich habe aber auch schon erlebt, dass man als Team zusammengesetzt wurde und eigentlich gar nicht zusammenarbeiten wollte, man dann aber, weil beide offen waren, voneinander profitiert hat und die Klasse auch.
Andrea Kehrer: Wir hätten auch mit anderen gekonnt, denn was man dafür braucht, ist einfach auch sehr, sehr viel Toleranz gegenüber der anderen und wie sie die Dinge tut. Teamarbeit heißt ganz allgemein auch, dass man manchmal schlucken muss. Man muss sich dann sagen: „O.k., wenn ich nicht da wäre, würde es die andere auch so tun.
Bärbel Zink Wir haben unseren Teamwunsch mit der Bedingung verbunden, dass wir auch länger zusammenbleiben dürfen. Wir kannten aus früheren Zeiten, dass Teams, die gut funktionierten, wieder getrennt wurden, weil man die zwei Erfahrenen mit anderen zusammenbringen und die gute Teamarbeit multiplizieren wollte. Das funktioniert so aber nicht, wir arbeiten in unserem inklusiven Setting unter erschwerten Bedingungen, es braucht erfahrene Leute, die das gut miteinander stemmen können. Man muss im Alltag schnell koordinieren und keine Zeit in Grundsatzdiskussionen vertun. Wir haben teilweise unterschiedliche Vorstellungen, was wohltuend ist für das Ganze, wenn man das Verschiedene positiv nutzen kann.
Andrea Kehrer: Ich habe durch die Teamwahl auch eine fachliche Herausforderung gewählt, um von jemandem wie dir, die noch konsequenter Differenzierung umsetzt, als ich es kannte, zu lernen und für mich etwas Neues auszuprobieren.
Wie klappt es gemeinsam im Team?
Bärbel Zink Man muss bereit sein, auch mal etwas auszuprobieren und der anderen mit einem: „O.k., du hast damit gute Erfahrungen gemacht, dann lass ich mich mal drauf ein, gegenüberzutreten.
Andrea Kehrer: Und man muss verlässlich sein, der anderen den Raum lassen, anders zu sein. Das kann man wahrscheinlich nicht mit jeder, aber mit mehr Personen, als man denkt.
Bärbel Zink: Ja, Verlässlichkeit ist wichtig, auch im Sinne der Arbeitsteilung. Wenn ich etwas übernehme, bin ich dafür verantwortlich. Man muss sich an Absprachen halten.
Andrea Kehrer: Teamarbeit in der inklusiven Situation heißt, dass ich auch erst mal mehr investieren muss, als wäre ich mit einer Klasse alleine. Es darf nicht heißen, dass sich die eine zurücklehnt und die andere machen lässt. Ich muss der anderen zeigen, dass sie von mir profitiert und ich mich mitverantwortlich fühle.
Bärbel Zink: Das...

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