1. – 13. Schuljahr

Katja Kansteiner

Sachlich bleiben? Genau hinhören!

Umgang mit Konflikten im Team

Erinnern Sie sich an Paul Watzlawiks Man kann nicht nicht kommunizieren? Oder an die vier Seiten einer Nachricht von Friedemann Schulz von Thun? Beides erinnert uns daran, wie sehr gelingende Kommunikation davon abhängt, klar und eindeutig zu sprechen und die Perspektive der anderen zu berücksichtigen, wenn man ihre „Nachricht hört. Ironie ist selten ein guter Pfad, wenn es um ernsthafte Verständigung geht, eigene Bedürfnisse oder Anliegen auszusprechen hingegen schon. Als Ruth C. Cohn für das Gelingen des Miteinanders davon sprach, man solle selektiv authentisch sein, meinte sie, gut überlegt auszuwählen, was man in der Situation mit einbringen will, aber das, was man dann sagt, auch aufrichtig sein zu lassen.
Wenn es dann trotzdem mal im Team knirscht, ist genaues Hinhören gefragt, um zu erkennen, wie stark der Konflikt ist: Wird der Meinungsaustausch kühler? Entsteht ein verbales Hin und Her? Werden andere Personen zitiert, um die eigene Position stärker darzustellen? Wird anderen gegenüber über den einen/die eine negativ gesprochen? Werden Tatsachen ohne Rücksprache geschaffen? Wird der/die eine gezielt den möglichen negativen Konsequenzen ausgesetzt oder gar bewusst geschädigt?
Kommunikationsregeln helfen bis zu einem gewissen Grad
Sich selbst aus dem Konflikt helfen kann man gut, wenn die Situation noch eine Win-win-Möglichkeit bietet und alle bereit sind, darauf hinzuarbeiten. Man sollte sich dann auf das Kernthema fokussieren und im Klärungsgespräch Kommunikationsregeln einhalten: zuhören, aussprechen lassen, aus der eigenen Warte sprechen, persönliche Betroffenheit benennen, Situationen und Verhaltensweisen, die dazu beigetragen haben, sachlich ansprechen, den konkreten Änderungswunsch formulieren und beschreiben, wie man sich das Miteinander in der geklärten Situation vorstellt. Sollte sich der Konflikt bereits so zugespitzt haben, dass sich Personen verbünden, das Gesicht verlieren, gedroht oder sogar zu vernichten versucht wird, dann ist professionelle Unterstützung gefragt.
Bewusst hinhören und beide Seiten in den Blick nehmen
Will man als Gruppe Konflikten vorbeugen, sollte man sehr hellhörig sein, wenn Allianzen arrangiert oder Informationen nur in Teilen weitergegeben werden, wenn sich Mitglieder gegenseitig herabsetzen, mauern oder mäkeln. Wenn es knistert, das Vertrauen nicht mehr besteht oder Vereinbarungen nur noch sehr mühsam getroffen werden können, liegt etwas im Argen. Herausfordernd ist dann auch, wenn bei einem Konflikt zwischen zweien aus dem Team sich die anderen bemühen müssen, nicht in Parteilichkeit zu geraten. Auch als schlichtende Person „mächtig sein zu können, ist eine Versuchung für die anderen, nicht mehr selbst Verantwortung für eine konfliktfreie Teamarbeit zu übernehmen.
Wenn man den Konflikt alleine angeht, kann es helfen, sich klarzumachen, dass die beiden Konfliktparteien den Streitpunkt auf unterschiedlichen Ebenen ansiedeln und ihre Vermittlungsangebote möglicherweise nicht synchron aufeinandertreffen. Es ist ein Unterschied, ob im symmetrischen Austausch verhandelt wird oder ob über den Bezug auf Regeln Absprachen getroffen werden oder emotional überzeugt werden soll.
Es hilft, sich mit Empathie in die Konfliktbearbeitung zu begeben, denn es braucht auch, die Bedürfnisse des/der anderen wahrzunehmen und ihnen ebenso Berechtigung zuzuerkennen wie den eigenen. Es hilft gleichzeitig, bei sich selbst genau reinzuhören, was eigentlich hinter den Vorwürfen steht, die einem am liebsten aus dem Mund kommen würden.
Konflikte sind Störungen und sie verunsichern und kosten Kraft, sie tragen jedoch auch das Potenzial für eine Veränderung in sich, die für das Team Weiterentwicklung bedeuten kann. Möglicherweise klären sich erst durch sie Positionen, die Mitglieder werden besser wahrgenommen, der Kontakt gewinnt an Emotionalität, alte Gewohnheiten und damit ggf....

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