5. – 13. Schuljahr

Stephanie Thomas | Jörg Wöhe

Zeit investieren Beziehungsqualität gewinnen

Team-Arbeit im Gymnasium

Die Elisabeth-von-Thadden-Schule ist ein Beispiel dafür, wie es am Gymnasium gelingen kann, nachhaltige Teamarbeit zwischen Lehrkräften zu etablieren. Die Erfahrungen der Lehrkräfte zeigen, dass dadurch Möglichkeiten entstehen, den Herausforderungen des Mittelstufenunterrichts zu begegnen. Dies betrifft sowohl die Unterrichts- als auch die Persönlichkeits- sowie die Schulentwicklung allgemein.

Ein gelungener Mittelstufenunterricht ist eine Herausforderung. Die Schülerinnen und Schüler sind in der Pubertät, testen Grenzen aus und brauchen klare Ansagen. Darüber hinaus beobachten wir seit Jahren eine zweite Entwicklung: Die Schülerschaft im Gymnasium wird zunehmend heterogener. Mit der steigenden Heterogenität geht auch die Anforderung an Lehrkräfte einher, den Unterricht individueller zu gestalten.
Das Gymnasium ist derweil nicht ausreichend auf diese Herausforderungen vorbereitet. Traditionelle didaktische Vorstellungen setzen immer noch oft voraus, dass eine homogene Schülerschaft gemeinsam ähnliche Lernfortschritte macht. Auch gibt es meistens zu wenig Raum zur Ausgestaltung von pädagogischen Beziehungen zwischen Schülerschaft und Lehrkräften sowie zum Austausch unter den Lehrkräften.
Eine gute Beziehung zwischen Schülerinnen und Schülern und ihren Lehrkräften stellt einen wesentlichen Faktor im Blick auf die Motivation zum Lernen und den Lernerfolg dar (Helmke 2013). Darum wollten wir als zentrale Idee des Mittelstufenkonzepts der Elisabeth-von-Thadden-Schule Heidelberg Wieblingen gerade in der herausfordernden Mittelstufe die Beziehungen zwischen allen Akteuren stärken. Tragende Säule unseres Konzepts ist dabei die Lehrkräfte-Kooperation.
Implementierung der Teamarbeit
Das heutige Jahrgangsstufenteam wurde über mehrere Jahre entwickelt. Dabei kann man zwei hilfreiche Bedingungsfaktoren ausmachen: Freiwilligkeit und Ausprobieren im Kleinen, was sicherstellt, dass etwas entsteht, das zur Schule passt. Die verschiedenen Phasen:
  • 2010 – 2012: Initiation. Durch eine Schulbundtagung der ev. Schulen in Baden entsteht die Frage: Wie kann man Schule und Unterricht passend für die Mittelstufe verbessern? Eine Gruppe Freiwilliger entwickelt ein Konzept und stellt es der GLK zum Austausch und später zur Abstimmung vor.
  • 2012/2013 – 2014/2015 (= Stufe 8 – 10): Erprobung des Mittelstufenkonzeptes mit einer Pilotklasse. 20 Schülerinnen und Schüler sowie sechs Lehrkräfte haben sich daran freiwillig beteiligt.
  • 2015/2016: Übertragung der erfolgreichsten Bausteine (Teamarbeit, Coaching und Projektarbeit) auf einen ganzen Jahrgang.
  • 2018/2019: Implementierung des Mittelstufenkonzeptes in den Regelbetrieb/erste Planungen für den Bau eines neuen Schulgebäudes.
  – 2018/2019: ein Vertreter aus jedem Jahrgangsstufenteam soll Mitglied der Koordinierungsgruppe (KOG Arbeitsgruppe Schulentwicklung) sein.
  – 2019/2020: Erweiterung der Projektarbeit um zwei weitere Projektwochen in der Stufe 8.
  • 2020: Baubeginn eines Schulgebäudes mit Räumen für die Stufen 8 und 9, das dem Konzept der Mittelstufe entspricht.
Teamstrukturen
Wie ein Lehrkräfte-Team gebildet wird
Etwa ein halbes Jahr vor Schuljahresbeginn startet die Teamfindung für die neue Jahrgangsstufe 8 durch einen Aushang im Lehrerzimmer. Empfehlenswert ist ein Team aus Freiwilligen von ca. zehn bis zwölf Lehrkräften, die möglichst viele Fächer abdecken und möglichst viele Stunden in diesem Jahrgang unterrichten. Die Klassenlehrerteams werden immer aus Teammitgliedern gebildet. Es braucht weitere Lehrkräfte, sogenannte „Einflieger, um die Teamsitzungen zu angenehmen Zeiten zu ermöglichen. Sie decken die Unterrichtszeiten während der Teamsitzung ab und sind also systemisch unerlässlich ein Umstand, den wir uns zunutze machen.
Elementar für das Team-Building ist ein zweitägiges Vorbereitungstreffen, das vor Beginn des Schuljahres...

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