5. – 10. Schuljahr

Manuel Glittenberg

Der Sprachlosigkeit etwas entgegensetzen

Diskriminierung in der Schule wahr- und ernst nehmen

Ob Rassismus, Antisemitismus, Sexismus, Homo- und Transfeindlichkeit das Erleben von Diskriminierung kann sprachlos machen. Sowohl als direkt Betroffene oder Betroffener, aber auch diejenigen, die es in einer Situation miterleben. Nicht nur in der Schule herrscht häufig Unsicherheit vor, wie entsprechende Vorkommnisse eingeordnet und wie mit ihnen umgegangen werden kann.

Das „Beratungsnetzwerk Hessen. Gemeinsam für Demokratie und gegen Rechtsextremismus hat seine Studie zum Umgang mit Rassismus im Schulalltag ganz passend mit „Was soll ich denn da sagen?! betitelt. Das spiegelt Sprach- und Hilflosigkeit wider. Eine mögliche Sprachlosigkeit und Handlungsunsicherheit im Umgang mit Diskriminierung ist Pädagoginnen und Pädagogen in der Schule nicht individuell anzulasten. Vielmehr liegen sie v.a. auch darin begründet, dass die Auseinandersetzung mit gesellschaftlicher Heterogenität und verschiedenen Formen von Diskriminierung noch immer keinen selbstverständlichen Bestandteil der Lehrkräfte-Ausbildung bilden. Zwar hat sich politisch und gesellschaftlich hier in den letzten Jahren sehr viel getan, doch in Schule sind Themen wie Rassismus, Antisemitismus und ganz allgemein Diskriminierung häufig weiterhin schwer zu besprechen.
Diskriminierungskritische Perspektive
Eine diskriminierungskritische Perspektive kann helfen, sich dem Thema anzunehmen und es besser besprechen zu können. Sie geht von häufig auch unbewussten diskriminierenden Wahrnehmungsmustern und Handlungsroutinen aus. Diese können ganz unabhängig davon, ob sie beabsichtigt sind oder nicht, eine verletzende Wirkung auf Betroffene haben. In einer diskriminierungskritischen Perspektive geht es am Beispiel Rassismus gesprochen nicht um Rassistinnen/Rassisten auf der einen und Nicht-Rassistinnen/-Rassisten auf der anderen Seite, sondern um rassistische Wissensbestände und um die Funktionsweise rassistischer Unterscheidungen und Diskurse sowie die ihnen (häufig auch unreflektiert) zugrunde liegenden Normalitätsvorstellungen gesellschaftlicher Homogenität. Im Unterschied zu einer anti-rassistischen Herangehensweise bedeutet das, dass Rassismus kein uns äußerlicher Gegenstand ist gegen den wir uns nur positionieren müssten. Vielmehr sind wir Teil einer Gesellschaft, welche eben auch durch rassistische und andere diskriminierende Diskurse geprägt ist.
Für die Auseinandersetzung mit Diskriminierung ergibt sich daraus die Empfehlung, Problem und Person zunächst immer voneinander zu trennen d.h. Diskriminierungsformen in ihrer Funktionsweise in den Blick zu nehmen und so zu ermöglichen, beschämungsfreie Lernräume zu gestalten , sei es bei der Auseinandersetzung mit dem Thema im Unterricht oder in Weiterbildungen unter Pädagoginnen und Pädagogen.
Menschenrechtlicher Bezugsrahmen
Unterstützend für den Umgang mit Diskriminierung in der Schule ist auch ein menschenrechtlicher Bezugsrahmen. Unabhängig davon, aus welcher Perspektive mich das Thema berührt, ob ich potenziell selbst von Diskriminierung betroffen bin oder nicht, lässt sich Diskriminierung in dieser Hinsicht als Einschränkung der Verwirklichung von Menschenrechten in den Blick nehmen.
Aus menschenrechtlicher Perspektive ist es wichtig, Schulen als Ort der Menschenrechte zu verstehen. Lehrkräfte sind im menschenrechtlichen Sinne Pflichtenträger/-trägerinnen, da sie den staatlichen Bildungsauftrag umsetzen. Daher sind sie dazu verpflichtet, diese Rechte zu verteidigen und zu fördern. Diskriminierungsschutz ist einerseits ein Strukturprinzip der Menschenrechte: Jedes einzelne Recht muss diskriminierungsfrei für alle Menschen gewährleistet sein. Darüber hinaus gibt es auch explizit Rechte, die ein Verbot von Diskriminierung formulieren. Die UN-Kinderrechtskonvention als weitgehendstes Menschenrechtspapier kennt explizit das Recht auf...

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