5. – 10. Schuljahr

Jutta Sengpiel

Hilfe nutzen: Mobbing-Interventions-Teams

Unterstützung für nachhaltige Prävention und Intervention

Nicht jeder Streit ist Mobbing. Doch wenn es Mobbing ist, sind eindeutige Interventionsmaßnahmen zum Schutz der Opfer notwendig. Mobbing-Interventions-Teams z.B. bieten über Klassentrainings die Möglichkeit, im akuten Fall aktiv zu werden und für ein nachhaltig besseres Klassenklima zu sorgen.

Der Begriff Mobbing hat längst Einzug gehalten in die Alltagssprache der Schülerinnen und Schüler. „Hey mobb mich nicht! ist ein Spruch, der inzwischen für jede Rempelei, jede Form des Streitens Verwendung findet. Eine Umfrage unter Schülerinnen und Schülern mit der einfachen Fragestellung „Wurdest du schon mal gemobbt? würde wahrscheinlich mit einer sehr hohen Quote mit ja beantwortet werden. Um in der Schule nachhaltig gegen Mobbing zu intervenieren und um wirksame Präventionsmaßnahmen zu entwickeln, ist eine klare Definition von Mobbing die im besten Falle mit der Schulgemeinschaft abgestimmt ist dringend erforderlich. Für den schulischen Kontext hat sich eine auf Olweus (2008) zurückgehende Definition als hilfreich erwiesen (vgl. Kasten).
Was ist Mobbing?
Was ist Mobbing?
  • Mobbing ist Gewalt an einer Person innerhalb ihrer sozialen Bezugs-gruppe (z.B. Schulklasse).
  • Einzelne oder Teile der Gruppe oder auch die ganze Gruppe „quälen und schädigen eine Person über einen langen Zeitraum regelmäßig.
  • Die Person wird in ihrem Ansehen und Selbstwertgefühl geschädigt durch Beleidigungen, Verleumdungen, Verbreitung von Gerüchten, Ausschluss aus der Gruppe oder durch körperliche Gewalt.
  • Das Mobbingopfer ist der Gewalt der Gruppe solange ausgeliefert, bis jemand die Mobbingprozesse durchbricht.
Rollen im Mobbingprozess
Mobbing ist demnach kein einmaliges Ereignis und auch kein alleiniger Täter-Opfer-Kontext. Verkürzt gesagt: „Ohne Gruppe kein Mobbing. Der systemischen Sichtweise der Definition folgend können sich in der von Mobbing betroffenen Gruppe oder Klasse folgende Rollen entwickeln (vgl. KLASSE LEITEN 6):
  • Täterin/Täter bzw. Mobberin/Mobber: Von diesen Schülerinnen und Schülern gehen die ersten Attacken aus, sie sind in der Regel aktiv an dem Geschehen beteiligt, agieren aber auch als Ideengebende und können sich bei etablierten Mobbingprozessen schon mal im Hintergrund halten.
  • Opfer/von Mobbing betroffene Schülerinnen und Schüler: In aller Regel ist dies ein einzelner Schüler, eine einzelne Schülerin, die von der Gruppe ausgegrenzt wird und, wie in der Definition beschrieben, unterschiedlichen Formen von Gewalt ausgeliefert ist. Generell gilt, dass sich Opfer von Mobbingprozessen nicht aus eigener Kraft aus der Rolle befreien können. Opfer kann jede Schülerin/jeder Schüler werden.
  • Der Mittäter/die Mittäterin: Schülerinnen und Schüler in dieser Rolle unterstützen den Täter/die Täterin, bilden die engere Peergroup und wirken als „Verstärker oder werden auch selber aktiv.
  • Lachende Zuschauerinnen/Zuschauer: Diese Rolle nehmen Schülerinnen und Schüler ein, die das Geschehen billigen oder sogar Freude daran finden. Indem sie die Aktionen des Täters/der Täterin lachend bewerten, wirken auch sie verstärkend und erhöhen für das Opfer den psychischen Druck, allein und ausgeschlossen zu sein.
  • Ängstliche Zuschauerinnen/Zuschauer: Dies sind Schülerinnen und Schüler, die das Geschehen ängstlich verfolgen, Sorge haben, selber zum Opfer zu werden und sich daher auch nicht trauen, dem Opfer zu helfen. Es können auch Schülerinnen und Schüler sein, die ggf. selbst schon einmal Opfer von Mobbing gewesen sind und vielleicht erfahren haben, dass niemand helfen konnte.
  • Gleichgültige Zuschauerinnen/Zuschauer: Es gibt immer auch Schülerinnen und Schüler, die sich nicht betroffen fühlen, dem Geschehen gleichgültig gegenüberstehen. Sie halten sich raus, verhalten sich vermeintlich neutral. Ungewollt unterstützen auch sie den Mobbingprozess.
  • Eingreiferinnen/Eingreifer:...

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