1. – 10. Schuljahr

Nikola Poitzmann | Helmolt Rademacher

Konflikte konstruktiv lösen

Was können Lehrkräfte bei Gewalt und Mobbing tun?

In der Regel sind nicht Konflikte das Problem, sondern die Art und Weise, wie sie ausgetragen werden. Wenn Kinder und Jugendliche hingegen konstruktive Lösungen erlernen, lassen sich Konflikte in der Schule sogar als Chance begreifen.

Konflikte gehören zum täglichen Leben. Wenn sie als Ausgangspunkt dienen, dass sich etwas verändern muss und sie in fairer Weise ausgetragen werden, dann bieten sie eine Chance für Weiterentwicklung. Die Entwicklung von Gesellschaft und damit auch von Schule steht immer im Zusammenhang mit Kontroversen und Konflikten. Ohne diese gäbe es nur Stillstand. Dennoch wird meist mit Konflikten etwas Negatives assoziiert, dem viele Menschen aus dem Weg gehen möchten. Es besteht die Hoffnung, dass sich die Konflikte durch Nichtbeachtung in Luft auflösen. Aber das ist eine Illusion ebenso die Hoffnung, dass es bei höher eskalierten Konflikten schnelle Lösungen geben kann. Auch dies entpuppt sich leicht als Trugschluss.
Konflikt ist nicht gleich Konflikt
Der österreichische Konfliktforscher Friedrich Glasl definiert Konflikte folgendermaßen: „Sozialer Konflikt ist eine Interaktion zwischen Aktoren (Individuen, Gruppen, Organisationen usw.), wobei wenigstens ein Aktor Unvereinbarkeiten im Denken/Vorstellen/Wahrnehmen und/oder Fühlen und/oder Wollen mit dem anderen Aktor (anderen Aktoren) in der Art erlebt, dass im Realisieren eine Beeinträchtigung durch einen anderen Aktor (die anderen Aktoren) erfolge. (Glasl 1998, S. 25)
Einen Konflikt gibt es demnach nicht nur bei verbalen und tätlichen Auseinandersetzungen, sondern auch dann, wenn es Gegensätze im Denken sowie Fühlen und Wollen gibt.
Zu unterscheiden sind auch heiße und kalte Konflikte. Mit heißen Konflikten sind solche gemeint, bei denen Emotionen deutlich zutage treten, es zur Sache geht und auch einmal „die Fetzen fliegen. Wenn diese Konflikte nicht zu hoch eskaliert sind, sind sie greifbar und auch eher lösbar. Schwieriger wird es mit kalten und unausgesprochenen Konflikten, die zwar für die Beteiligten spürbar, aber nicht richtig fassbar sind, da es nicht zu einer direkten Konfrontation zwischen den Beteiligten kommt. Meist sind diese Konflikte schwieriger zu bearbeiten, weil einzelne Konfliktbeteiligte den Konflikt leugnen, aber das Leiden am Konflikt nicht aufhört.
Unter Konflikten leiden alle
Kinder, Jugendliche, Lehrkräfte und Schulleitungen, Hausmeisterinnen und Hausmeister sowie Sekretärinnen und Sekretäre sind fast täglich mit Konflikten konfrontiert. Auch Eltern bleiben davon nicht verschont. Konflikte sind kein neueres Phänomen, sondern es gibt sie in der Schule seit ihrer Existenz. Im 19., aber noch bis weit in die Mitte des 20. Jahrhunderts wurden Konflikte von Lehrkräften mit Züchtigungen und anderen Strafen geregelt. Diese Zeiten sind heute zum Glück vorbei. Heutzutage ist es eher so, dass Schülerinnen und Schüler, aber auch in hohem Maße Lehrkräfte unter Konflikten leiden.
Schülerinnen und Schüler leiden insbesondere unter Mobbing, aber auch unter Abwertungen oder Diskriminierungen von Lehrkräften. 35,6% der Menschen in Deutschland berichten von Diskriminierungserfahrungen. 23,7% davon erlebten diese im Bildungsbereich (ADS 2016). Lehrkräfte leiden unter Disziplinlosigkeit, Lärm, Respektlosigkeit und Aggressionen durch Schülerinnen und Schüler. Bei einer Umfrage gaben 6% der Lehrkräfte an, schon einmal körperlich von ihren Schülerinnen und Schülern angegriffen worden zu sein (Verband Bildung und Erziehung 2016). Lehrkräfte können aber auch unter Konflikten im Kollegium oder mit der Schulleitung leiden.
Erkennen, was der Konflikt erfordert
Konflikte und Konfliktbearbeitungen sind ein komplexes Feld, und es gibt keine einfachen Lösungen. Einige Konflikte lassen sich schnell, andere mit mehr Zeit und manche lassen sich im Kern gar nicht lösen. Ein Kind, das...

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