5. – 10. Schuljahr

Regina Heil

Konstruktive Konfliktbearbeitung

Impulse für den beruflichen Alltag einer Lehrkraft

Konflikte im privaten wie im professionellen Bereich haben keinen besonders guten Ruf. Sie verderben die Stimmung, stören die Harmonie, hindern uns am Vorankommen. Hand aufs Herz viele von uns mögen lieber, wenn „es läuft und wir uns im Gleichklang mit den Menschen um uns befinden. Doch überall, wo Individuen mit unterschiedlichen Wünschen und Bedürfnissen aufeinandertreffen, im Besonderen auch in Schule, gehören Konflikte zum sozialen Miteinander. Schwierig wird es, wenn sie keine Aufmerksamkeit bekommen oder sie destruktiv ausgetragen werden.

Oft werden Konflikte erst wahrgenommen, wenn Schülerinnen oder Schüler hänseln, klauen, schlagen, bedrohen usw. Dann aber reagieren wir in der Regel auf das beobachtete Verhalten, der Konflikt jedoch bleibt unbeachtet, sodass durch ihn immer wieder Störungen verursacht werden. Die Chancen, die die Auseinandersetzung mit den Hintergründen des Konflikts bieten, werden vergeben.
Lehrkräfte und Schulen zeigen immer mehr ihre Überlastung an. Themen wie Ganztag, Inklusion und Umgang mit Heterogenität bestimmen den aktuellen Diskurs in Lehrerzimmern, Fachzeitschriften und in Beratungsanfragen von Schulen. Gerade wenn sich Schulen in umwälzenden Veränderungsprozessen befinden, können Grundkenntnisse in der konstruktiven Konfliktbearbeitung für jede einzelne Lehrkraft entlastend wirken und zu einem entspannteren Lernklima beitragen.
Förderlich dafür ist die Auseinandersetzung der gesamten Schulgemeinde mit einem veränderten Konfliktbegriff und dem Umgang mit unterschiedlichen Arten von Konflikten (vgl. dazu Altenburg-van Dieken).
Als Feedback in den „Grundlagenseminaren zur Konstruktiven Konfliktbearbeitung zum Projekt des Hessischen Kultusministeriums „Gewaltprävention und Demokratielernen (GuD) hören wir häufig, dass schon eine veränderte Haltung helfen kann.
Es trägt ein Stück zur Entlastung der Lehrkräfte bei, einen Konflikt weniger als etwas Störendes, Hinderliches einzuordnen, sondern ihn als Ausdruck unterschiedlicher Wahrnehmungen und Bedürfnisse in der sozialen Interaktion anzuerkennen. Zudem können Grundkenntnisse der Konflikttheorie helfen, Klarheit und Sicherheit im eigenen Handeln zu erlangen, wie und wo ein Konflikt bearbeitet werden kann (vgl. Kasten 1).
1. Grundannahmen der Konstruktiven Konfliktbearbeitung:
1. Grundannahmen der Konstruktiven Konfliktbearbeitung:
  • Positives Menschenbild und wertschätzender Kommunikationsstil
  • Konflikte werden als Chance, nicht als Bedrohung verstanden
  • Ziel ist eine Win-win-Lösung, bei der alle Konfliktparteien als Sieger hervorgehen
  • Wer den Konflikt hat, hat auch die Lösung
Die Anbahnung einer Intervention hängt entscheidend von der Art des Konfliktes ab. In der Literatur finden sich unterschiedliche Spezifizierungen von Konflikten, die bei der Einschätzung helfen (s. Abb. 1 ). Im Klassenraum nehmen soziale und systemische Konflikte den größten Anteil ein, auf beide wird im Folgenden eingegangen.
Wer das Problem hat, hat auch die Lösung
Ein Prinzip der Konstruktiven Konfliktbearbeitung ist die sogenannte „Lösungsabstinenz der Unterstützenden oder Beratenden. Die Idee dahinter ist, die Verantwortung für die Lösung eines Konflikts bei den Beteiligten zu lassen. Häufig haben wir als Außenstehende den Eindruck, genau zu wissen, was zu tun ist. Doch für die Nachhaltigkeit der Lösungsoption ist es zentral, dass sie von der betreffenden Person selbst entwickelt wurde. In der Regel kann nur sie selbst wirklich wissen, wie der Weg aus der kritischen Situation herausführt. Insbesondere auch für die Motivation, die weiteren notwendigen Schritte zu gehen, ist es entscheidend, dass dies aus dem eigenen Impuls heraus erfolgt.
Eine Lehrkraft übernimmt in ihrer Rolle gemäß ihres Erziehungs- und Bildungsauftrags Verantwortung für das Gesamtgeschehen einer Klasse. Damit erscheint es selbstverständlich, dass sie sich auch...

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