5. – 10. Schuljahr

Helmolt Rademacher

Mediation in der Schule

Ein wichtiger Ansatz konstruktiver Konfliktbearbeitung in der Schule

Konflikte, die zwischen Schülerinnen und Schülern entstehen, sollten im günstigsten Fall auch von ihnen gelöst werden können. Das wäre der Idealfall, der eher selten eintritt. Sind Konflikte bereits weiter vorangeschritten, hilft oft nur die Hilfe von außen auch die kann jedoch von den Schülerinnen und Schülern selbst kommen, z.B. wenn sie zu Schülermediatorinnen bzw. -mediatoren ausgebildet werden.

Seit Mitte der 90er-Jahre hat der Ansatz der Mediation Verbreitung gefunden. Seitdem wurde er an vielen Schulen eingeführt und wurde dort häufig fest verankert. Die Bezeichnungen für diese Methode sind in den Bundesländern unterschiedlich: In Hessen entschied man sich für den Begriff Schulmediation, in Berlin für Konfliktlotsen und in vielen anderen Bundesländern wurde der Begriff Streitschlichter gewählt, der aber auch eine andere Bedeutung haben kann: beispielsweise bei Konflikten in den Pausen eine Art Aufsicht zu übernehmen.
Mediation gelingt nicht von selbst
Die Mediation ist ein Verfahren konstruktiver Konfliktbearbeitung, bei der in der Regel eine Person oder zwei Personen zwischen zwei oder mehreren Konfliktparteien vermitteln und im Wesentlichen zwei Grundsätze beachten: Allparteilichkeit und Lösungsabstinenz. Um diese Prinzipien zu realisieren, verfügen die Mediatorinnen und Mediatoren über Techniken wie aktives Zuhören, Einleitung von Perspektivenwechsel bei den Konfliktbeteiligten, Strukturierung der Streitpunkte und Organisation der Vereinbarungen, die ihnen zuvor vermittelt wurden.
In den Schulen hat sich die Mediation hauptsächlich durch Schülermediatorinnen/-mediatoren bzw. Streitschlichterinnen/-schlichter etabliert. Dabei werden in der Regel Schülerinnen und Schüler der achten bis zehnten Klassen gelegentlich auch der Oberstufe zu Mediatorinnen/-mediatoren durch erwachsene Schulmediatorinnen/-mediatoren ausgebildet, um mehrheitlich in den 5. bis 7. Klassen zu vermitteln.
Hauptsächlich Schülerinnen nehmen diese Rolle sehr engagiert wahr. Während die Ausbildung sehr gut funktioniert und die Schülerinnen und Schüler damit ihr Talent zur Mediation unter Beweis stellen, bedarf es eines guten Systems, dass auch tatsächlich Mediationen mit jüngeren Schülerinnen und Schülern stattfinden.
Dazu gehört, dass es einen extra Raum gibt, dass das Angebot gut bekannt ist, dass die Lehrkräfte und die Schulleitung aktiv darauf hinweisen bzw. Schülerinnen und Schüler die Mediation empfehlen und somit Mediation zu einem selbstverständlichen Teil konstruktiver Konfliktbearbeitung in der Schule wird. In der Praxis ist das leider nicht so häufig der Fall.
Schulmediatorin/-mediator werden
Die Ausbildung zur Schulmediatorin/zum -mediator, über die wiederum die Schülerinnen und Schüler ausgebildet werden, erfolgt in den einzelnen Bundesländern sehr unterschiedlich. Teilweise gibt es Angebote der Landesinstitute für Lehrkräftefortbildung oder in Hessen eine kostenlose Ausbildung über 130 Stunden beim HKM-Projekt „Gewaltprävention und Demokratielernen (GuD) oder es gibt private Ausbildungsinstitute. Die Fachgruppe „Mediation in Erziehung und Bildung im Bundesverband Mediation hat Standards sowohl zur Ausbildung von Schulmediatorinnen/-mediatoren als auch von Schülermediatorinnen/-mediatoren entwickelt, die im Netz eingesehen werden können.
Toolbox M4
Nichtverletzende Ärgermitteilung
Links
Literatur
Rademacher, H. (2019): Mediation in der Schule. In: Gloe, Markus/Rademacher, Helmolt (Hg.), Demokratische Schule als Beruf, 6. Jahrbuch Demokratiepädagogik. Frankfurt/M.: Wochen- schau Verlag, S. 258 – 265.
Walker, J. (Hg.) (2001): Mediation in der Schule. Konflikte lösen in der Sekundarstufe I. Berlin: Cornelsen.
Helmolt Rademacher, Lehrer,...

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