1. – 13. Schuljahr

Übung: Grenzen haben Grenzen wahrnehmen

Dieser Beitrag nimmt das Thema „Grenzen der Artikel von Klaudia Klaffke in dieser und der letzten Ausgabe auf. Wir stellen ein altes Paradigma auf den Kopf: Es geht nicht darum, Kindern möglichst wirkungsvoll Grenzen zu setzen. Es geht darum, die eigenen persönlichen Grenzen zu vertreten. Aber wie geht das?

Vielleicht gehören Sie zu den Leserinnen und Lesern, für die das ganz klar und einleuchtend ist und die ein gutes Gespür dafür haben, wenn Leute sich anschicken, in ihrem „Vorgarten herumzutrampeln. Und der Hinweis, in Konfliktsituationen oder kurz vorher den Atem wahrzunehmen oder in die Füße zu spüren, ist für Sie ganz einfach umzusetzen. Vielleicht wollen Sie Ihre „Leitung nach innen ein bisschen trainieren, damit sie auch in Notsituationen gut funktioniert. Ich habe hier in dieser Rubrik schon mehrere Anregungen dafür gegeben (KLASSE LEITEN 2, 5, 7 und 9).
Vielleicht gehören Sie aber auch zu den Menschen, denen es wirklich richtig schwerfällt, im Kontakt mit anderen eigene Grenzen wahrzunehmen. Dann lässt Sie vielleicht der Ratschlag, in die Füße zu fühlen oder auf den Atem zu achten, wenn jemand Ihre Grenze verletzt, ratlos oder ein bisschen ärgerlich zurück.
Viele von uns sind in einer Umgebung aufgewachsen, in der es besser war, das eigene Empfinden für richtig und falsch aufzugeben. In einem autoritär geprägten Umfeld hieß Erziehung, sich den Kindern gegenüber durchzusetzen; „Flausen waren auszutreiben und „Extrawürste gab es nicht. Es ist folgerichtig, dass Kinder in einer solchen Umgebung ihr Gefühl für ihre eigenen Grenzen aufgeben sonst wird es zu schmerzhaft. Falls Sie wie ich zu diesen Menschen gehören, vielleicht auch nur in bestimmten Zusammenhängen oder ein bisschen, kann ich Ihnen versichern: Es geht!
Sie können sich Ihr Gespür für Ihre Grenze zurückholen. Es macht ein bisschen Mühe und dauert eine Weile. Aber es lohnt sich in jeder Hinsicht.
Ich möchte Ihnen zwei Übungen vorstellen, mit denen Sie auf diesem Weg ein paar Abkürzungen nehmen können:
Übung: Wann habe ich mich verlassen?
Schritt 1:
Entdecken Sie, wann Sie „außer sich geraten. Wann schreien Sie los aus lauter Hilflosigkeit? Wann beschämen Sie Kinder oder drohen, weil Sie nicht weiterwissen? Wann diskutieren Sie in der Fachkonferenz mit immer engeren Pupillen und rasenderem Puls?
Sammeln Sie konkrete Situationen und nehmen Sie einfach nur wahr: „Aha. So war es heute. Bewerten Sie nicht, registrieren Sie nur.
Schritt 2:
Nehmen Sie sich ab und zu Zeit, so eine Situation im Nachhinein noch einmal anzuschauen. Das können Sie in Gedanken machen (das ist möglich), etwas dazu aufschreiben (ist viel effektiver) oder mit jemandem besprechen (ist meistens am effektivsten). Lassen Sie die Situation noch einmal vor Ihrem geistigen Auge ablaufen. Konzentrieren Sie sich dabei darauf, wie es Ihnen im jeweiligen Augenblick ging. Was Ihre Gedanken waren und wie es sich in Ihrem Körper angefühlt hat. Finden Sie danach den Punkt, an dem Sie „außer sich geraten sind, an dem Sie sich verlassen haben. Wo hat es angefangen? Wann waren Sie noch selbst am Ruder und ab welchem Moment hat Ihr Autopilot mit Uralt-Strategien übernommen? Bitten Sie Ihren Gesprächspartner, an diesem Punkt beharrlich zu sein: „Bist du dir sicher, dass es genau da angefangen hat? „Kannst du das an einer Reaktion im Körper festmachen? Oft stellt sich dann heraus, dass die eigentliche „Grenzverletzung schon eher stattgefunden hat. Bei mir wäre es z.B. möglich, dass meine Reaktion gar nicht so viel mit Alex und Theo (vgl. Beitrag Klaudia Klaffke) zu tun hätte, sondern mir in der Pause davor eine Kollegin in einer Weise begegnete, die mich mächtig verletzt hat da allerdings noch von mir unbemerkt.
Nehmen Sie beim Reflektieren hochkommende Gedankenblitze ernst und sprechen Sie sie aus, auch wenn Ihr Verstand damit noch nicht viel anfangen kann. Oft entwickelt sich etwas daraus. Und wenn nicht, dann eben...

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