5. – 10. Schuljahr

Gregory Grund

Was tun bei Stress im Klassenchat?

Beim Digitalen Helden-Mentorenprogramm engagieren sich Schülerinnen und Schüler

Der Streit auf dem Schulhof wird heute zunehmend digital ausgetragen. Kinder und Jugendliche brauchen darum auch abseits des Elternhauses Unterstützung beim Erlernen von Grundlagen der Kommunikation im Internet. Wie kann ich als Lehrkraft meine Schülerinnen und Schüler ohne großen Aufwand bei einem respektvollen und kompetenten Umgang mit digitalen Medien unterstützen?

Lisa versteht die Welt nicht mehr. Seit Stunden weint sie und niemand scheint es mitzubekommen. Was ist passiert? Eigentlich mag Lisa ihre Klasse und auch den Klassenchat. Allerdings hat sich heute ein Mitschüler im Klassenchat über ihren Beitrag in Biologie lustig gemacht. Und ganz viele Mitschülerinnen und Mitschüler lachen digital mit. Sie posten gehässige Emojis und machen noch mehr Witze über Lisa und ihren Beitrag. Im ersten Moment ist sie einfach nur wütend, weil jemand über sie etwas Gemeines schreibt und auch, dass so viele aus der Klasse mitmachen. Sie schreibt zurück in die Gruppe, man merkt, dass sie irritiert und verletzt ist. Und jetzt geht es erst richtig los. Sie reagiert im Chat natürlich ziemlich emotional. Dafür lachen die Mitschülerinnen und Mitschüler sie aus, und es hagelt noch mehr beleidigende Antworten und Emojis. Kurz darauf wird sie auch aus dem Chat entfernt. Denn Admin ist ausgerechnet der Mitschüler, der den Stein ins Rollen brachte.
Nun sitzt Lisa alleine zu Hause, während in ihrer Vorstellung die gesamte Klasse in diesem Augenblick ohne sie im Klassenchat weiter über sie herzieht. Wie wird es bloß morgen in der Schule? Die Beleidigungen schmerzen. Noch mehr schmerzt allerdings das Gefühl, dass sie aus der Klasse verstoßen wurde. Sie überlegt, wer ihr helfen kann. Können ihre Eltern etwas tun? Schwierig, die können ja schlecht in den Chat posten, dass Lisa wieder rein soll, weil sie gar keinen Zugriff auf den Chat haben. Und außerdem sorgt Lisa sich, dass ihre Eltern ihr das neue Smartphone wieder abnehmen und sie Ärger wegen der aktuellen Situation bekommen könnte. Aber wenn sie sich nicht an ihre Eltern wenden kann, an wen dann? Vielleicht kann eine Lehrkraft ihr helfen?
Die gute Nachricht ist: Diese Geschichte ist fiktiv. Die schlechte Nachricht: Diese Geschichte spielt sich so oder so ähnlich an so ziemlich jeder Schule ab. Häufig setzt sich dieses Cybermobbing dann ganz real fort: körperliche Gewalt auf dem Schulhof, Streit und negative Gruppendynamiken im Unterricht, Schulverweigerung der Opfer können die Folge sein. Und so werden die Auswirkungen von solchen Auseinandersetzungen im Klassenchat plötzlich zur Schulangelegenheit.
Stress im Netz eine neue Herausforderung, die schnell wächst
Kaum zu glauben, die ersten Smartphones kamen erst 2007 auf den Markt. Heute haben laut JIM-Studie 2018 bereits 97 Prozent der 12 – 19-Jährigen ein eigenes Smartphone. Auch in Grundschulen sind Smartphones vermehrt Realität, für die Altersklasse der 6-11-Jährigen beziffert die KIM-Studie 2018 den Smartphone-Besitz auf 50 Prozent (https://www.mpfs.de/startseite/).
Smartphones breiten sich in der Gesellschaft schnell aus und haben großen Einfluss darauf, wie wir als Individuum und als Gesellschaft kommunizieren. Eltern und Schulen stehen heute vor der Herausforderung, unseren Kindern die tollen Potenziale einer digital vernetzten Welt aufzuzeigen und zugänglich zu machen. Gleichzeitig brauchen Kinder und Jugendliche (und wir Erwachsenen eigentlich auch) Unterstützung, um mit den Herausforderungen von digitaler Kommunikation kompetent umzugehen. Denn anders als bei anderen Medien wie Fernsehen und Zeitung können wir nicht auf Erfahrungen aus unserer Kindheit zurückgreifen. Auch gibt es keine thematische Verankerung im Curriculum und kaum Unterrichtsmaterial. Es fehlt Orientierung und eine zeitgemäße Beantwortung auf Fragen der Schülerinnen und Schüler wie:
  • Welche...

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