1. – 13. Schuljahr

Ulf Schönberger

Klassenfotos & Co.

Das Recht am eigenen Bild

Darf man als Klassenlehrerin/Klassenlehrer Fotos von Schülerinnen und Schülern machen? Wann braucht man die Einwilligung der Schüle-rinnen und Schüler sowie der Eltern? Und was ist, wenn Mitschülerinnen und Mitschüler Bilder von anderen Schülerinnen und Schülern oder Lehrkräften ins Netz stellen?
Fiktives Fallbeispiel
Fiktives Fallbeispiel
Herr Kaiser, Klassenlehrer der 6a, hat auf einem Klassenausflug im Museum Bilder gemacht, auf denen verschiedene Schülerinnen und Schüler der Klasse zu sehen sind. Damit die Eltern und die Schülerinnen und Schüler einfachen Zugriff auf diese Fotos haben, stellt er sie auf einen (unverschlüsselten) Bereich der Schulhomepage. Das Ehepaar Dietrich meldet sich empört und fordert, die Bilder, auf denen Tochter Emma zu sehen ist, sofort von der Homepage zu nehmen. Er habe kein Recht, Bilder ihrer Tochter ins Internet zu stellen.
Grundsätzlich ist in diesen Fällen das sogenannte „Recht am eigenen Bild zu beachten; dieses ist im Kunsturhebergesetz (KunstUrhG) als besondere Ausprägung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts festgelegt.
Gem. § 22 Satz 1 KunstUrhG dürfen Abbildungen einer Person grundsätzlich nur dann verbreitet oder zur Schau gestellt werden, wenn deren Einwilligung vorliegt.
Das bedeutet, dass in den o.g. Situationen die Anfertigung eines Fotos nur rechtlich zulässig ist, wenn gesetzliche Regelungen es ausdrücklich erlauben oder wenn die abgebildeten Personen einwilligen.
Ausnahmen gibt es nur wenige: So zum einen für „Personen der Zeitgeschichte (wie bekannte Politiker oder Künstler) oder dann, wenn abgebildete Personen nur als „Beiwerk erscheinen oder es sich um eine Menschenansammlung handelt, bei der die fotografierten Personen nicht aus der Masse hervorstechen. Wann die beiden letztgenannten Ausnahmen greifen, kann man nicht pauschal sagen, dies ist eine Frage des Einzelfalls. Im Zweifel ist zu raten, vorsorglich die nötigen Einwilligungen einzuholen.
Es existieren zudem keine gesetzlichen Regelungen, die es ohne Einwilligung der Betroffenen erlauben würden, solche Fotos auf der Schulhomepage, in sozialen Netzwerken oder anderswo im Internet zu veröffentlichen.
Damit bleibt also in den meisten Fällen nichts anderes übrig, als eine Einwilligung einzuholen.
Bei Schülerinnen und Schülern bis zum Alter von zwölf Jahren reicht die Einwilligung der Eltern aus. Dies wird von den meisten Schulen auch beachtet. Weniger bekannt ist, dass sowohl die Einwilligung der Erziehungsberechtigten als auch der Jugendlichen einzuholen ist, wenn die Schülerin oder der Schüler älter, aber noch nicht volljährig, ist. Volljährige können selbst einwilligen. Etwas anderes gilt auch nicht, wenn Schülerinnen und Schüler Bilder von Lehrkräften oder Mitschülerinnen und Mitschülern in sozialen Netzwerken posten.
Wird gegen die o.g. Regelungen verstoßen, kann die oder der Fotografierte denjenigen, der das Bild ohne die Einwilligung des Abgebildeten gefertigt oder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat, zivilrechtlich auf Unterlassung oder Schadensersatz verklagen.
Es drohen sogar strafrechtliche Konsequenzen bei der Verbreitung von Fotos und Bildaufnahmen von anderen Personen ohne Einwilligung der aufgenommenen Person, also z.B., wenn man ohne Einverständnis der betroffenen Person ein Bild oder ein Video aufnimmt und auf ein soziales Netzwerk stellt: Nach § 33 Abs. 1 Kunsturhebergesetz wird derjenige mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft, der entgegen §§ 22, 23 Kunsturhebergesetz (also ohne Einwilligung der aufgenommenen Person) ein Bildnis verbreitet oder öffentlich zur Schau stellt.
Solche strafrechtlichen Konsequenzen können auch Schülerinnen und Schüler treffen, die z.B. ungefragt Bilder oder Filme ihres Klassenlehrers/ihrer Klassenlehrerin oder ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler ins Internet stellen, allerdings nur dann, wenn sie bereits strafmündig sind, d.h...

Weiterlesen im Heft

Vorteile im Abo

Exklusiver Online-Zugriff auf die digitalen Ausgaben der abonnierten Zeitschrift
Print-Ausgabe der abonnierten Zeitschrift bequem nach Hause
Zusatzvorteile für Abonnenten im Online-Shop genießen