1. – 10. Schuljahr

Auf ihre Stimme kommt es an

Ein Interview mit dem Sänger, Sprecherzieher und Gestalttherapeuten Markus Lemke

Wenn wir unsere Stimme benutzen, tun wir dies meist intuitiv, unbewusst. Gleichzeitig vermitteln wir mit der Stimme jedoch mehr, als wir mit bloßen Worten ausdrücken. Darum ist es für Lehrerinnen und Lehrer sinnvoll zu wissen, wie man seine Stimme richtig und authentisch einsetzt und wie man dieses wichtige Handwerkszeug ausreichend schützt.

Markus Lemke ist freier Konzertsänger, Diplom-Gesanglehrer, Gestalttherapeut (GIH), Rezitator, Sprecherzieher (langjährig Lehrbeauftragter für Sprecherziehung, Uni Heidelberg) und Mitarbeiter am Gestalt-Institut Heidelberg. Als Seminarleiter arbeitet er im Grenzbereich von Stimme und Selbsterfahrung. Seine Ausbildung als Seelsorger, Erfahrungen u.a. in Alexandertechnik sowie seine langjährige Praxis in Zen-Meditation finden sich ebenfalls in seinen Seminaren wieder.
www.markuslemke.de
Klasse leiten: Lieber Herr Lemke, einleitend vielleicht die Frage, ob Sie aus Ihrer Erfahrung etwas darüber sagen können, welchen Einfluss die Stimme auf die Kommunikation allgemein hat?
Markus Lemke: Für mich ist Stimme Kommunikation. Es gilt aber zu unterscheiden, zwischen dem Inhalt und der Art und Weise wie man etwas sagt. Der Einfluss der Stimme auf Kommunikation wird deutlich, wenn man schaut, was die Stimme als solche transportiert. Klingt eine Stimme ängstlich, wütend, übermotiviert oder wirkt sie künstlich „gemacht, dann wird die Atmosphäre des Gesprächs unfrei und der Kontakt gestört sein. Das Gegenteil geschieht, wenn wir in einer freien und klaren Art und Weise sprechen.
In einem meiner Seminare, „Was deine Stimme mir sagt, geht es genau darum: Was schwingt in der Stimme mit und welche Atmosphäre erzeugt sie? Die Stimme ist das Medium des Kontaktes, und ihre „emotionale Melodie macht vielleicht den größten Teil davon aus.
Das leuchtet mir ein, die Frage ist nur: Wie erreiche ich das? Wenn ich gelungene Kontakte hinbekommen will, worauf muss ich dann achten?
Ich muss erst einmal mit mir selbst in Kontakt sein, stimmig sein das drückt es gut aus. Präsent, durchlässig und aus innerer Freiheit heraus. Die Stimme ist für mich ein wunderbares Medium, das zeigt, wie jemand funktioniert, wie er/sie „tickt und schwingt. Sie kann uns sehr vieles über uns selbst sagen, etwa, wenn ich monoton oder verengt spreche, atemlos bin, nicht entspannen kann beim Reden, meine Stimme künstlich tief- oder hochdrücke usw. Das merkt man in der Regel aber kaum selbst. Daher ist ein Spiegel von jemand anderem nötig. Wenn ich in einer subjektiven, nicht wertenden Art höre: „Wenn du sprichst, fühle ich mich an die Wand gedrückt oder: „Ich muss mich richtig anspannen, um dir zu folgen, und halte dabei meinen Atem an. etc., und das ernst nehme, dann habe ich eine echte Chance zu Wachstum, auf der stimmlichen wie auf der seelischen Ebene.
Der Therapeut und Zenmeister Karlfried Graf Dürckheim hat einmal gesagt: „In der Arbeit mit der Stimme kann es darum gehen, alles das abzubauen, was mich daran hindert, der Mensch zu sein, der ich in meinem tiefsten Inneren bin. Ich verstehe meine Stimm- und Persönlichkeitsarbeit in diesem weiten Sinn. Man kann dann etwa schauen: Was ist es denn, was mich so unter Druck setzt und was brauche ich, um diesen Druck loszulassen? Oder: Will ich eigentlich mit verstellter Stimme sprechen?
Und wie arbeiten Sie dann mit solchen Menschen, um diesen Kontakt mit sich selbst zu erreichen?
Ich verbinde grundsätzlich die körperlich/stimmtechnische mit der innerseelischen Ebene. Ganzheitlich gesehen ist der Mensch seine Stimme, sie ist wie der Mensch geschaffen und geprägt, also nichts Getrenntes von ihm. Ich gebe den Menschen konkrete Aufgaben, etwa: Sprich einmal langsamer, atme aus nach jedem Satz etc. Das verbessert in der Regel Stimme und Kontakt. Aber im ganzheitlichen Sinne erreicht das nicht die Ursachen der Probleme. Bleibt es dabei,...

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