1. – 10. Schuljahr

Thomas Klaffke

Den Handlungsspielraum erweitern

Mit Unterrichtsstörungen umgehen

Unterrichtsstörungen wirken sich auf viele Bereiche aus manchmal wirken sie unterschwellig, nicht selten direkt und unmittelbar. Werden sie massiver, können sie die gesamte Unterrichts-stunde ins Wanken bringen. Wenn es gelingt, gelassen und ruhig zu bleiben und präventiv zu arbeiten, lässt sich vieles auffangen. Doch was ist zu tun, wenn das nicht immer möglich ist?

In Erinnerung an seine Schulzeit äußerte der Rapper „Redchild alias Alassene Jensen: „Ich bin sehr, sehr viel angeeckt, weil ich keinen Zugang zum Konzept Schule gefunden habe.1
Hat man nicht nur einen, sondern mehrere solcher Schülerinnen und Schüler in einer Klasse versammelt, kann Unterrichten zu einer echten Herausforderung werden. Mitten in einer Arbeitsphase brechen unvermittelt Konflikte aus, Kinder und Jugendliche werden beschimpft oder herabgesetzt, die Emotionen kochen hoch … Auf der anderen Seite der „Redchild-Skala steht dann eine Unterrichtssituation, in der sich die an der Tafel etwas erklärende Lehrkraft schon durch ein geflüstertes Seiten-Gespräch gestört fühlt. Kleiner Denkanstoß an Sie, liebe Leserinnen und Leser: Wenn Sie die durchschnittlichen Unterrichtsstörungen, mit denen Sie zu tun haben, auf dieser Skala einordnen wo würden Sie sich dann wiederfinden? Und wenn Sie sich darüber mit Ihren Kolleginnen und Kollegen austauschen, könnten Sie konstatieren, was Sie vermutlich längst wissen: Was eine Störung ist, wird subjektiv sehr unterschiedlich wahrgenommen. Was die eine als eine muntere, fröhliche Arbeitsatmosphäre bezeichnet, ist für den anderen schon zu laut.
Hinzu kommt, dass wir zumeist nur die lauten, aggressiven Äußerungen wahrnehmen, das Untergründige jedoch eher nicht. Und wenn wir das Lernen als wesentlich für den Unterricht wahrnehmen, führt dann das passive, sich selbst fast zum Verschwinden bringende Verhalten von Schülerinnen und Schülern nicht auch zu einer Störung (des Lernens)? Nun gibt es jedoch trotz aller unterschiedlichen subjektiven Wahrnehmungen und Ausblendungen genug davon, was alle von uns als störend empfinden und was leider eine der wichtigsten Gründe dafür ist, dass Lehrkräfte psychisch und physisch überfordert werden und nicht selten zu Recht mit den Nerven am Ende sind. Die Arbeit von Lehrerinnen und Lehrern wird oft mit der von „Fluglotsen im Klassenzimmer verglichen, da sie zugleich auf der Sach- und Beziehungsebene agieren und dabei in der Kommunikation vielen unterschiedlichen Situationen gerecht werden müssen. Diese Belastungen sind umso größer, je schlechter eine Schule aufgestellt ist. Daher ist Unterstützung bei diesem Thema wichtig von der Prävention bis hin zu Kniffs und Tricks , und dazu wollen wir mit diesem Heft beitragen.
Was sind die Ursachen?
Über Ursachen von Störungen ist schon viel geschrieben worden (vgl. z.B. Lohmann 2007), und jede neue gesellschaftliche Entwicklung führt zu neuen Störquellen im Klassenzimmer als Beispiele sei der exzessive Gebrauch von Smartphones und anderer Medien genannt, was Bewegungsmangel und Zappeligkeit sowie Unruhe im Unterricht zur Folge haben kann. Vor allem machen uns Erziehungsdefizite zu schaffen. Kinder, die nicht erlebt haben, dass die Eltern ihnen ihre persönlichen Grenzen deutlich vermittelt haben, die als Prinz, Prinzessin oder „Optimierungsprojekt der Familie immer im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen (müssen), die wenig oder gar keine Anerkennung, Fürsorge oder Liebe erfahren sie alle sind oft Quelle von Unruhe und destruktiven Verhaltensweisen, die durch Mobben, „Heruntermachen anderer und mit „handgreiflicher Gewalt das Klassenklima belasten. „Wenn das Bedürfnis anerkannt zu werden ungenügend beantwortet und der Mangel an Anerkennung zu groß wird, kann sich die Not darin äußern, dass ich mich über andere stelle und sie mir entwertend oder gewalttätig unterordne (). Die entbehrungsreiche Anerkennungssuche...

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