1. – 4. Schuljahr

Silke Kaschemekat | Jasmina Penz | Susanne Pietsch

Die Trainingsinsel

Ein Förderkonzept der Baunsbergschule

Was tun, wenn Schülerinnen und Schüler Auffälligkeiten im sozial-emotionalen Bereich zeigen, wenn Entwicklungsverzögerungen oder gar -rückschritte zu beobachten sind oder wenn sie in akuten emotionalen Krisen stecken und intensiver Zuwendung oder gezielter Unterstützung und Förderung bedürfen?

In Hessen gibt es verschiedene Konzepte zur individuellen Förderung im sozial-emotionalen Bereich:
  • der Besuch sogenannter Korridorklassen, in welchen Kinder zeitlich befristet für mehrere Wochen in einer kleinen Lerngruppe ein Training durchlaufen, z.B. ETEP,
  • die vorübergehende Auszeit einzelner Schülerinnen und Schüler im Time-out-Raum
  • oder aber die Umsetzung von Förderprogrammen im Rahmen des Unterrichts mit der gesamten Lerngruppe, wie z.B. das Faustlosprogramm, Stopp-Programm u.Ä.
Diese unterschiedlichen Konzepte variieren u.a. in Zielsetzung, Dauer und Ort der Durchführung sowie in Hinblick auf die personelle Besetzung.
Im Folgenden wird die Trainingsinsel vorgestellt, ein Förderkonzept des Beratungs- und Förderzentrums der Baunsbergschule Baunatal, einer Schule mit dem Förderschwerpunkt Lernen.
Geleitet wird die Trainingsinsel von einer Sozialpädagogin (SK) und einer Förderschullehrerin (JP). Beide Lehrkräfte haben gemeinsam die ETEP-Qualifizierung absolviert. Besucht haben die Trainingsinsel fünf Schüler und eine Schülerin der 2. bis 4. Klasse aus zwei nahegelegenen Grundschulen.
Um Einblicke in die Praxis der Trainingsinsel zu geben und um die Erfahrungen zu reflektieren, haben wir ein gemeinsames Gespräch in Form eines Interviews geführt.
SP:Was ist das Besondere der Trainingsinsel als Fördermaßnahme?
SK:Das Wichtigste dieses Förderkonzepts ist, dass Kinder im Grundschulalter die Möglichkeit einer Auszeit und eines individuellen Trainings erhalten, sie dafür aber in ihrer Klasse verbleiben können.
SP:Wie kann ich mir das genau vorstellen?
SK:Mit der Teilnahme an dem Förderkonzept durchlaufen die Schülerinnen und Schüler drei unterschiedliche Phasen: eine Intensivphase, eine Trainings- und eine nachgängige Betreuungs- oder Beratungsphase.
JP:Die zweiwöchige Intensivphase dient dem ersten Kennenlernen. Nur in dieser Phase werden die Kinder aus ihrer Stammklasse herausgenommen und besuchen täglich von 8.00 bis 12.20 Uhr die Baunsbergschule. Dort erkunden sie die neuen Räumlichkeiten und lernen einander erst einmal kennen. Sie werden in den Ablauf der Trainingstage (s. Kasten) und in die ritualisierte regelgeleitete Arbeit an individuellen Aufträgen und Zielen sowie die erforderlichen Reflexionsphasen eingeführt. Diese Tage laufen projektorientiert ab mit eingebauten Bewegungseinheiten und Kreativangeboten und einem täglichen gemeinsamen Frühstück.
In der sich anschließenden zwei- bis dreimonatigen Trainingsphase kommen die Schüler und Schülerinnen nur einmal wöchentlich vormittags zum Trainingstag in die Baunsbergschule. Hier erhalten sie in einer kleinen Gruppe individuelle Angebote und erfahren eine nahe und unmittelbare Begleitung bei der Arbeit an ihren individuellen Zielen, die mit ihnen in der Intensivphase erarbeitet wurden.
SK:Nach der Trainingsphase begleite ich dann in der Betreuungs- und Beratungsphase bis zu den Sommerferien die Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler im Unterricht. Ich bin dann mit den Stunden, die zuvor an den Trainingstag gebunden waren, im Unterricht der allgemeinen Schule präsent und unterstütze und berate die Lehrkräfte und die Schülerinnen und Schüler dort insbesondere bei der reflexiven Betrachtung erreichter oder noch angestrebter Lern- und Entwicklungsziele.
SP:Wofür steht der Name Trainings-insel?
JP:Das Bild erschien uns passend. Da ist eine Insel, auf der die Kinder eine Auszeit erhalten. Auf dieser Insel trainieren sie in Ruhe und in einer überschaubaren Gruppe Verhaltensweisen, die ihnen noch schwerfallen. Das tun sie in einer neuen Umgebung...

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