1. – 10. Schuljahr

Interview

Klasse leiten: Wie nehmen Sie Unterrichtsstörungen in Ihrem Schulalltag wahr?
Martina Schicktanz: Unter Störungen verstehe ich zu hohe Lautstärke, Verspätungen und Unaufmerksamkeit (Smartphone …). Ich ertappe mich leider oft dabei, wiederholte Unterrichtsstörungen als Sabotage meiner Bemühungen zu empfinden obwohl ich weiß, dass es meist gar nicht so ist. Ich empfinde es als belastend, die Polizei spielen zu müssen, aber nur klare Regeln und Grenzen funktionieren meines Erachtens.
Was hilft Ihnen dabei, mit solchen
Störungen umzugehen?
Präventiv arbeiten! Erfahrungsgemäß kann ich durch gut geplanten, interessant gestalteten Unterricht viel vorbeugen ob frontal oder schülerzentriert. Ich arbeite auch teils mit Regeln und Ritualen (Begrüßungsritual, ritualisierte Sätze zu Beginn von Phasen oder Überleitungen ) und bin im Unterricht sehr präsent. Und da wir sehr unterschiedliche Klassenarten haben: Ausprobieren, was Ruhe bringt, und das dann eben öfter so machen.
Und im akuten Moment reagiere ich eigentlich nie gleich (jeder Schüler stört anders und mit anderer Intention), aber immer authentisch, wenn meine Grenze an Störung überschritten ist: Intuitiv, aber bestimmt. Manchmal ungehalten, manchmal sachlich-ruhig, manchmal mit einem blöden Spruch. Bei meinen erwachsenen Schülerinnen und Schülern scheint das effektiver zu sein als eine überpädagogisierte Variante.
Gibt es an Ihrer Schule eine Kooperation der Lehrkräfte zu diesem Thema?
Noch nicht! Das Thema Verspätungen haben wir zunächst versucht, durch Änderung der äußeren Umstände (Unterrichts- und Pausenzeiten) zu beheben.
Durch eine Fortbildung gab es eine Phase mit guten Impulsen zu Unterrichtsstörungen, die jeder für sich selbst umgesetzt hat. Unsere Schule ist sehr heterogen, was Klassengröße und Schülerverhalten angeht. Da bietet sich vermutlich eher ein schulartspezifisches Vorgehen an, keine schulartübergreifende Kooperation. Der kollegiale Austausch à la „Wie gehst du damit um? erfolgt meist (erfolgreich!) zwischen Tür und Angel oder zwischen Stundenläuten und Kaffeemaschine.
Das Interview führte Thomas Klaffke.
Klasse leiten: Wie nehmen Sie Unterrichtsstörungen in Ihrem Schulalltag wahr?
Ryan Plocher: Störungen kommen in fast jeder Stunde vor. Schülerinnen und Schüler reden, ohne sich zu melden; Papierkügelchen und Stifte werden hin- und hergeworfen; Kaugummi wird deutlich sichtbar gekaut; Nebengespräche werden lautstark geführt; Schülerinnen und Schüler sind zum Unterrichtsbeginn nicht bereit und holen noch ihre Sachen. Zudem kommen auch externe Störungen hinzu: Regen und Schnee sind immer sehr interessant. Die Lehrkraft kann ebenfalls stören, indem sie die eigene Regel nicht einhält (z.B. Schüler reden lassen, ohne sich vorher gemeldet zu haben), Nebengespräche führt oder keinem strukturierten Unterrichtsplan folgt.
Was hilft Ihnen dabei, mit solchen Störungen umzugehen?
Den Ablauf meines Unterrichts schreibe ich zu Beginn der Stunde an. Alles, was wir erreichen, wird abgehakt. Dies strukturiert den Unterricht mit. Wir verwenden einheitliche mündliche wie auch gestische Ruhezeichen. Das Classroom Management ist mit den Fachlehrkräften abgesprochen und weitestgehend einheitlich. Wer stört, kommt an die Tafel. Bei der zweiten Störung muss die Person woanders sitzen, bei der dritten Störung wird sie für eine Phase oder Stunde in eine andere Klasse versetzt. Gutes Arbeitsverhalten und/oder Engagement für die Klasse wird mit einem „Lobesbrief belohnt. Kurz gesagt: Konsequenz, Struktur und Absprachen im Team tragen dazu bei, dass Störungen effektiv beseitigt werden. Ein eigenes Gesundheitsmanagement, damit man selber ausreichend gelassen und ruhig ist, um mit Störungen umgehen zu können, ist ebenfalls sehr wichtig.
Gibt es an Ihrer Schule eine Kooperation der Lehrkräfte zu diesem Thema?
Wir treffen uns wöchentlich zu einer Jahrgangsteamsitzung. Dort sprechen wir auch oft über einheitliches Vorgehen bei...

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