1. – 10. Schuljahr

Thomas Klaffke | NIkola Poitzmann

Wenn Lehrkräfte den Unterricht stören

Wie Lehrerverhalten das Schülerverhalten beeinflusst

Kommt es im Unterricht zu kleineren oder länger andauernden Störungen, kann es auch möglich sein, dass diese durch die eigene Person ausgelöst wurden, indem z.B. die Kommunikation mit den Schülerinnen und Schülern in ein Ungleichgewicht geraten ist. Ein Heraustreten aus der momen-tanen Situation, das einen Perspektivwechsel ermöglicht, hilft, die Balance wiederherzustellen.

Willkommen Störungen! Schön, dass ihr da seid. Jetzt ist endlich die Gelegenheit gekommen, die eigene Klassenführung zu reflektieren und etwas zu verändern. Diese Sichtweise klingt etwas provokant, vielleicht auch übertrieben, jedoch hat sie das Potenzial, Lösungen für Konflikte zu finden, die schon lange oder immer wieder auftauchen. Zu schnell werden Probleme externalisiert und der Blick allein auf die „schwierigen Schülerinnen und Schüler gelenkt. Doch auch Lehrkräfte können mit ihrem eigenen Verhalten einen reibungslosen Unterrichtsablauf entscheidend unterstützen.
Bleiben wir bei den „schwierigen Schülerinnen und Schülern, die durch ihr Verhalten nur „provozieren möchten. Mit diesem Blick auf Kinder und Jugendliche fällt es schwer, professionell auf Unterrichtsstörungen einzugehen. Eine solche Sicht setzt Schülerinnen und Schülern ein Label auf, von dem sie sich nur schwer wieder befreien können. Ihr Verhalten wird als „undiszipliniert, „respektlos oder einfach „unsympathisch abgewertet. Die Idee der Provokation impliziert, dass sich das störende Verhalten direkt gegen die Lehrkraft richtet. Wer seine Lernenden so sieht, wird sich selbst wahrscheinlich unwohl fühlen, wütend auf die „Störenfriede sein und immer mehr Probleme im Unterricht haben. Denn Menschen merken, mit welcher Haltung ihnen begegnet wird. Wie ein Echo schallt es zurück.
Reframing: Verhalten umdeuten
Doch wie kann diese Spirale unterbrochen werden? Wie können Lehrkräfte auch bei Störungen statt auf die Schwächen lieber auf die Stärken ihrer Schülerinnen und Schülern schauen? Eine Möglichkeit ist das sogenannte Reframing, eine Methode aus der Systemischen Arbeit, die auf dem Konstruktivismus basiert. Hierbei geht es darum, Verhalten bzw. Ereignisse in einen neuen positiven Rahmen (frame) zu setzen, sie also umzudeuten. Schon der antike Philosoph Epiktet sagte „Es sind nicht die Dinge, die uns beunruhigen, sondern die Meinungen, die wir von den Dingen haben. Eine durch ständiges Schwatzen auffallende Schülerin könnte auf diese Weise als freundliches, aufgewecktes Mädchen betrachtet werden, das schnell mit anderen in Kontakt kommt. Ein stets zu spät kommender Schüler ließe sich als entspannter und sorgloser Junge wahrnehmen. Es geht dabei nicht ums Schönreden, sondern darum, rein negative Bewertungen, die einem selbst schaden, ins Positive umzuwandeln. Dadurch, dass Lehrkräfte angespannten Situationen eine neue positive Bedeutung geben, gewinnen sie wieder an Gelassenheit, entwickeln einen Ressourcenblick, modifizieren die Beziehungskonstellation und haben wieder neuen Gestaltungsspielraum. Hinter dieser Methode steht auch die Annahme, dass jedes Verhalten einen guten Grund hat, den wir bei anderen nicht wissen, sondern nur erahnen können.
Sich selbst in den Blick nehmen
Nicht selten resultieren Störungen aus
  • dem Unterricht
  • ungünstiger Beziehungsgestaltung
  • „suboptimaler Interaktion und Kommunikation
Ist der Unterricht über- oder unterfordernd, zu wenig aktivierend, methodisch monoton und insgesamt wenig motivierend, sind Unruhe und störendes Verhalten vorprogrammiert. Gute Unterrichtsgestaltung ist die wichtigste präventive Ressource, die in unserer Autonomie liegt, wo wir nicht von Rahmenbedingungen, Kolleginnen und Kollegen usw. abhängig sind. Und eine gute Beziehungsarbeit, die auf dem oben beschriebenen ressourcenorientierten Blick auf die Schülerinnen und Schüler basiert, ist die zweite „Säule der...

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