1. – 10. Schuljahr

Markus Gloe

Demokratiepädagogische Impulse in der Klasse

Demokratische Selbstwirksamkeitserfahrungen

Angesichts der gegenwärtigen gesellschaftspolitischen Herausforderungen auf nationaler und internationaler Ebene erscheint eine flächendeckende Förderung der Demokratiebildung an Schulen dringlicher denn je. Schule ist die wirkmächtigste Instanz für eine demokratische Bildung. Demokratiebildung ist dabei deutlich mehr als die Vermittlung von Wissen über politische Institutionen. Schülerinnen und Schüler sollen auf dem Weg zur mündigen Bürgerin und zum mündigen Bürger begleitet werden. Sie müssen die Chance bekommen, echte Partizipation zu erleben und somit eigene demokratische Selbstwirksamkeitserfahrungen zu machen. Dazu können Lehrkräfte aller Fächer demokratiepädagogische Impulse geben.

Ende der 1970er-Jahre entwickelte der kanadische Persönlichkeitspsychologe Albert Bandura das Konzept der Selbstwirksamkeit. Danach kommt es für die menschliche Lern- und Handlungsfähigkeit darauf an, dass die Individuen sich zutrauen, auf ihre Umwelt Einfluss zu nehmen, neue Herausforderungen zu bewältigen und etwas bewirken zu können. So entsteht Lebenszufriedenheit (vgl. Buchstein 2018, S. 94 – 95). Auch für den Bereich der Demokratiebildung sind solche Selbstwirksamkeitserfahrungen von zentraler Bedeutung.
Trotz des massiven inhaltlichen Streits in den 1970er-Jahren innerhalb der Politikdidaktik waren sich alle Vertreter einig, dass Politische Bildung immer egal ob im Politikunterricht oder bei Politischer Bildung als fächerübergreifendes Prinzip auch dem dritten Grundsatz des sogenannten Beutelsbacher Konsens (s. Toolbox M3), dem „Schülerinteressenartikulationsgebot, gerecht werden sollte. Dieses Gebot besagt, dass die Schülerinnen und Schüler sich ihrer eigenen Interessen gewahr werden und in die Lage versetzt werden sollen, sich für die Verwirklichung ihrer Interessen in der Gesellschaft einsetzen zu können. Dafür benötigen sie entsprechende demokratische Selbstwirksamkeitserfahrungen.
Schule muss und kann solche demokratieförderlichen Selbstwirksamkeitserfahrungen in jedem Fach ermöglichen. Denn unsere Demokratie wird gerade auf vielfältige Art und Weise herausgefordert: sei es durch die Kampfansagen religiöser oder politisch-ideologischer Extremismen an die demokratischen Werte und Normen, sei es durch den sich ausbreitenden Autoritarismus, der auf imperiales Denken und Handeln setzt, sei es durch den Populismus, der antidemokratisch vorhandene Ressentiments nutzt, um Stimmung gegen Minderheiten zu machen. Die Akzeptanz der Regierungsform Demokratie ist so niedrig wie schon lange nicht mehr. Die sich ausbreitende Absage in der Gesellschaft an freiheitliche Werte und das Prinzip einer pluralistischen Gesellschaft kann einem Angst machen. Wir dürfen Demokratie nicht als zu selbstverständlich hinnehmen. Demokratie muss gelernt werden, um gelebt werden zu können. Aber es gilt auch: Demokratie muss gelebt werden, um gelernt werden zu können.
Schülerinnen und Schüler müssen erfahren, dass demokratische Verfahren und Strukturen wie Rechtsstaatlichkeit, Gewaltenteilung und Menschenrechte wichtig für den Zusammenhalt in einer Gesellschaft sind. Sie müssen Werte wie Gerechtigkeit, Fairness und Gleichheit achten und diese in ihrem Handeln umsetzen. Sie müssen bürgerschaftliche Mitwirkung (z.B. bei Abstimmungen, Wahlen etc.) als wichtigen Beitrag jedes Einzelnen erleben und Vertrauen in die eigene Handlungsfähigkeit aufbauen.
Neben einer entsprechenden demokratischen Schulkultur, die Kinder und Jugendliche als wichtigen Teil der Schulgemeinschaft begreift und ihnen entsprechende Partizipationsmöglichkeiten eröffnet, spielen auch die Klassengemeinschaft und der Unterricht eine entscheidende Rolle.
Demokratischer Unterrichtsstil
Elementar ist ein demokratischer Unterrichtsstil. Inhalt und Botschaften sowie die Haltung der Lehrerinnen und Lehrer müssen kongruent sein (Rademacher 2015, S. 80). Die...

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