1. – 10. Schuljahr

Sönke Zankel | Niklas Günther

Die Heimatstadt als Klassenzimmer

Unterricht(sräume) forschend-lernend öffnen

Schulen, so dynamisch sie im Innern oft sind, präsentieren sich nach außen häufig starr. Unterricht findet fast immer bei geschlossener Klassenzimmertür im Schulgebäude statt, dessen Architektur und Raumkonzeptionen mitunter aus anderen Zeiten stammen. Diese Lernumgebung erschwert außerschulische Kontakte und lässt Lernchancen, die im Umfeld der Schule vorhanden sein können, für alle an Schule Beteiligten außer Acht.
Der hier vorgestellte Ansatz versucht, diesen Blick neu zu schärfen: Es geht darum, den Klassenraum zur Welt jenseits des Schulgeländes zu öffnen, und zwar für den Nahraum, für den Heimatort der Schülerinnen und Schüler. Übertragbar ist das Konzept ebenso auf die Region. Dahinter steht die Idee, dass die Welt mehr ist als das (Klassen-)Zimmer und die Frage, wie ein Unterricht außerhalb des Klassenzimmers konkret gestaltet werden kann. Konzeptionell können verschiedene Ansätze verfolgt werden:
  • Es kann das Know-How der Mitbürgerinnen und Mitbürger oder von Interessengruppen in den Klassenraum geholt werden.
  • Man kann die Heimatstadt als Erkundungs- oder Forschungsobjekt betrachten.
  • Die Erkenntnisse oder Ergebnisse schulischer Arbeit können in die Heimatstadt hineingetragen werden.
Experten und Interessengruppen in die Schule einladen
Unterricht hat allein schon aufgrund der personell fast immer gleichen Zusammensetzung etwas Statisches. Daher stellt es für die Lernenden eine Abwechslung dar, wenn Externe in den Unterricht kommen. Diese können zugleich auch Expertenwissen liefern, das die Lehrkraft oft nicht in dem Maße hat. Denkbar ist es beispielsweise, Kommunalpolitiker/-innen unterschiedlicher Parteien einzuladen, um über aktuelle Fragen der Kommunalpolitik zu diskutieren, deren Herausforderungen zu erfassen usw. Gleiches gilt für gesellschaftliche Gruppen wie Religionsgemeinschaften. Hier können authentische Vertreterinnen und Vertreter mit den Schülerinnen und Schülern über Fragen des Glaubens sprechen und ggf. (kontrovers) diskutieren. Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr können über die Bedeutung ihrer Institution oder Handwerksmeister/-innen über ihren Betrieb sprechen. So werden inhaltliche Fragen unmittelbar diskutiert, nicht mittelbar durch die Lehrkraft oder das Arbeitsmaterial.
Wichtig ist es, solche Gespräche gut vorzubereiten. Fragen, die die Lernenden interessieren, können als Hausaufgabe entwickelt werden, um sie dann z.B. in thematische Blöcke einzuteilen, um das Gespräch besser zu strukturieren. Auch ist es wichtig, die Gäste über die Klasse, die Altersstufe und Interessen zu informieren, um eine möglichst hohe Passung der Erwartungen beider Seiten zu erreichen.
Zudem sollte Verantwortung an die Schülerinnen und Schüler abgegeben werden, so könnten beispielsweise besonders Interessierte einen Erstkontakt herstellen und die Personen einladen oder die Diskussion leiten. Auch sollte an eine kleine Aufmerksamkeit für die Gäste gedacht werden, am besten ebenfalls von den Lernenden selbst organisiert. Dies ist insofern wichtig, als dass sie lernen, Wertschätzung gegenüber anderen auszudrücken, die sich Zeit für sie nehmen.
Im Bestfall können solche Gespräche oder Podiumsdiskussionen dafür sorgen, dass sich eine Gruppe aktiver Schülerinnen und Schüler bildet, die weitere Veranstaltungen für die Schule organisiert und damit das Schulleben bereichert.
Die Heimatstadt als Erkundungs- oder Forschungsobjekt
Beim zweiten Ansatz verlassen die Schülerinnen und Schüler den Klassenraum und widmen sich der Heimatstadt forschend-lernend. Dieser Ansatz lässt sich in verschiedenen unterrichtlichen und außerunterrichtlichen Lernkontexten realisieren. Beispielsweise für Projekt- und Präsentationsprüfungen zum Schulabschluss bieten sich solche Zugänge geradezu idealtypisch an. Wichtig ist vor allem, dass die Lernenden einer Leit- bzw. Untersuchungsfrage nachgehen und...

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