5. – 11. Schuljahr

Felix Weichsel

Die Sitzordnung als Methode

Von der Partizipation zur Reflexionsfähigkeit über guten Unterricht

In unteren Klassen werden die Sitzordnungen oft durch Klassenlehrerinnen und -lehrer vorgegeben. In der Praxis eines Unterrichts, der Lernende partizipativ an der Unterrichtsplanung und -durchführung beteiligt, können die Schülerinnen und Schüler eine solche Vorgabe im Laufe der Jahre eigenverantwortlich übernehmen. Voraussetzung ist eine ritualisierte Reflexion über guten Unterricht.

In Fortbildungsveranstaltungen und an pädagogischen Tagen zum Thema Classroom-Management geht es bei den Anliegen der Kolleginnen und Kollegen der Sekundarstufe häufig um das Thema Differenzierung und Störungsprävention bzw. -intervention. Klassenlehrerinnen und -lehrer wünschen sich ein funktionales Handwerkszeug im Umgang mit Heterogenität und professioneller Begleitung von Lehrenden. In diesem Zusammenhang spielt die Sitzordnung und deren „Management aus meinen Erfahrungen eine zentrale Rolle, die leider häufig vernachlässigt und unbeachtet bleibt. Dabei ist vielfältig untersucht, welche integrale Rolle die Sitzordnung im Klassenraum einnimmt (vgl. Hattie 2014, Kahlert 2013, Schuster 2016), um fachliche und überfachliche Kompetenzen zu fördern (vgl. Klasse leiten 4/2018, S. 34ff.). Neben dem Arrangement von Tischen und Stühlen geht es in der folgenden Darstellung auch um die Konstellation der Lernpartnerschaften.
Schaut man in die Klassenzimmer vieler Sekundarschulen, so zeichnet sich häufig ein einseitiges Bild von weiterhin eher traditionellen Sitzarrangements der Reihenform, die als ständige Form unabhängig von der didaktisch-methodischen Ausrichtung des Unterrichts beibehalten und nicht variiert wird. Es ist wenig verwunderlich, dass ein störungspräventives Classroom-Management schwer möglich ist, wenn die Auswirkungen der Sitzordnung auf das Lernen nicht berücksichtigt wird. Wie Klassenräume, die ein grundsätzlich lernförderliches Klima bieten, gestaltet werden können, wird in zahlreichen Publikationen dargestellt. Als Beispiel möchte ich eine Sitzform nennen, die sich entsprechend der unterrichtlichen Ausrichtung praktikabel verändern lässt (vgl. Weichsel 2014).
Klippertsche Form statt Tischreihen
Als Ausgangssitzform ist eine frontale Sitzordnung in Reihen mit Zweiertischen günstig. Die Vorteile dieser Sitzform bestehen primär darin, sie während des Unterrichts an wechselnde Sozialformen anpassen zu können. So kann ein Wechsel von zentralen (u.a. Unterrichtsgespräch, Diskussion, Stuhlkreis) zu dezentralen Sozialformen (u.a. Partner- und Gruppenarbeit) in der Regel zügig erfolgen. Das sogenannte „Hufeisen, in dessen Innenraum zusätzlicher Raum für einen Sitzkreis ist, lässt sich ebenso schnell bilden, wie auch Vierer-Tische, bei denen immer zwei Tische im Raum verteilt zusammengeschoben werden. Voraussetzung sind grundsätzliche Rahmenbedingungen seitens der Ausstattung des Raumes (Größe und Inventar) und ebenfalls eine Ritualisierung im Wechsel der Sozialformen mit der Sitzordnung. Letzteres bedarf vor allem in jüngeren Klassen eines gewissen Zeitraums der Einübung und Erprobung. Nach etwa einem Schuljahr sind die Lernenden jedoch bei konsequenter Durchführung gut an das Wechseln der Sitzordnungen gewöhnt, so dass ein Unterrichtsfluss in der Regel gewährleistet ist.
Interessanterweise   beobachtet man, dass die Schülerinnen und Schüler nach einer gewissen Zeit vereinzelt selbstständig damit beginnen, die Sitzform an die Sozialform anzupassen, ohne dass die Lehrkraft dazu explizite Anweisungen gibt. Hinzu kommt, dass Lernpartnerschaften innerhalb von Sozialformen entstehen, die ebenfalls nicht durch die Lehrenden initiiert werden, sich aber als durchaus fruchtbar erweisen. Dies ist vor allem in Klassen festzustellen, die bereits seit vielen Jahren an einen ritualisierten Wechsel der Sitzordnungen gewöhnt sind. Es stellt sich somit die Frage, ob und inwiefern das Steuerungselement...

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