1. – 10. Schuljahr

Susanne Alpers | Birte Friedrichs

Die Spinnwebanalyse

Konfliktlösungen partizipativ erarbeiten

Partizipation braucht Kompetenz. Dazu gehört auch die Kompetenz, Konflikte konstruktiv zu bearbeiten, sowie die Kompetenz, sich in die Lage der Konfliktparteien einfühlen zu können. Wie einfach ist es, in Konflikten auf der eigenen Position zu beharren, sie als die eine gültige Position festschreiben zu wollen. Es geht aber auch anders und das braucht Übung und Übungen, z.B. die Spinnwebanalyse.

Die „Spinnwebanalyse vermittelt, wie man als Kind oder Jugendlicher tiefgehende Einblick in einen Konflikt erlangen und daraufhin differenziertere, möglichst konsensfähige Lösungen entwickeln kann. In der Regel wird die Methode in einer Gruppe durchgeführt, so dass ganz unterschiedliche Wahrnehmungen und Sichtweisen eingebracht werden können.
Konfliktlösungen partizipativ erarbeiten
An Konflikten sind immer mindestens zwei beteiligt, das ist bekannt. Dennoch sehen und bewerten wir einen Konflikt oft nur aus einer Perspektive, meist unserer eigenen oder der einer Freundin oder eines Freundes. Die „Spinnwebanalyse ist eine einfache Methode, um Konflikte in ihrer Komplexität zu verstehen. Sie kann bereits mit Mittelstufenschülerinnen und -schülern gut durchgeführt werden, aber auch mit Jugendlichen aus höheren Jahrgängen, Studierenden und Lehrkräften. Am Ende erfolgt als Reaktion der Beteiligten oft die Erkenntnis: Erstaunlich, was herausgekommen ist, das hätte ich alleine nie so gesehen.
Entscheidend ist: Durch eine visualisierte Konfliktanalyse und die Übernahme verschiedener Perspektiven wird deutlich, dass alle Beteiligten Gründe für sein/ihr Verhalten hat, die subjektiv nachvollziehbar sind und die bei einer Lösungsfindung zu berücksichtigen sind.
Spinnwebanalyse im Unterricht
Zeit: 90 Minuten
Material: Plakate oder Flipchart-Papier, Stifte in schwarz, blau, rot und grün
Aspekte eines Konflikts
Den Schülerinnen und Schülern werden die drei wichtigsten Aspekte einer Konfliktsituation erläutert:
a. Wer? Welche Personen/Gruppen sind beteiligt?
b. Was? Wie verhalten sich die einzelnen Beteiligten?
c. Warum? Nach welchen Motiven handeln die Beteiligten? Was sind ihre Ziele?
Der Fall: „Finde einen griffigen Kurztitel für den Konflikt!
Im 2. Schritt wird eine konkrete Konfliktsituation vorgegeben oder aus konkreten Situationen ausgewählt, die die Teilnehmenden mitbringen. Zunächst sollte ein Titel für den Konfliktfall gefunden werden, der knapp, wertfrei und neutral formuliert sein sollte. Auf einem Plakat wird dieser Titel in die Mitte geschrieben und eingekreist.
Analyse
Anschließend werden in der Reihenfolge a – c die verschiedenen Aspekte von Konflikten aufgegriffen und stichwortartig auf einem Plakat bzw. einer Flipchart notiert:
a.Konfliktparteien: Hier ist es wichtig, alle am Konflikt aktiv oder passiv Beteiligten aufzuschreiben. Manchmal gehören dazu auch die Eltern, die nicht in der Schule anwesend, aber im Hintergrund aktiv oder einflussreich sind, oder Schülerinnen und Schüler der Parallelklasse, die z.B. eine Konfliktpartei unterstützen.
b.Handlungen: Eine Person bzw. Gruppe nach der anderen wird in den Blick genommen: Welche Handlungen hat sie vollzogen, wie hat sie sich verhalten? Der Ablauf sollte möglichst genau festgehalten werden, sachlich und neutral formuliert.
c.Beweggründe: In Schritt 3 findet ein Perspektivwechsel statt: Wieder wird eine Person oder Gruppe nach der anderen bearbeitet. Dabei nehmen die Schülerinnen und Schüler die Perspektive der jeweiligen Person/Gruppe ein und formulieren in der Ich-Form Gedanken, Gefühle, Bedürfnisse, die eine Konfliktpartei in der Konfliktsituation haben könnte (Hypothesenbildung). Erreicht werden soll durch die Übernahme der Sichtweise jeder Konfliktpartei, dass die Schülerinnen und Schüler das Verhalten jeder Seite nachvollziehen können.
Es gilt: Erst wenn zu einem Aspekt alles Wichtige notiert wurde, kommt die nächste Ebene, der...

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