1. – 10. Schuljahr

Beziehungs-Weise

Mit Eltern reden: Aussichtslose Überzeugungsarbeit oder bereichernder Dialog?
O-Ton Lehrerzimmer: „Kannst du als Klassenlehrerin mal mit Jans Eltern sprechen das kann nicht so weiter gehen mit dem Jungen!„Ich kann einen Termin ausmachen aber ich weiß jetzt schon, dass es nichts bringt mit denen habe ich schon so oft geredet das ist grad für die Katz! Sicher haben Sie schon einmal etwas von self-fulfilling-prophecy gehört …
Eine Forsa-Umfrage im Auftrag der Robert-Bosch-Stiftung1 hat über 1.000 Lehrerinnen und Lehrer befragt, was für sie die größten Herausforderungen an Schulen sind. Neben den politisch akuten Themen Lehrermangel (30%) und Inklusion (22%) landete dabei ein weiteres Thema weit vorn: der Umgang mit den Eltern der Schülerinnen und Schüler (21%), in Grundschulen sogar 32%!
Mit welcher Haltung gehen Sie in (manche) Elterngespräche? Haben Sie bisher überwiegend gute Erfahrungen mit solchen Gesprächen gemacht, oder sind Sie ähnlich resigniert wie die oben zitierte Lehrerin? Auch wenn Sie eigentlich wissen, dass es eine denkbar schlechte Voraussetzung für ein Gespräch ist, wenn man schon im Voraus denkt: „Das bringt sowieso nichts!
Was müsste geschehen, damit Sie ein Gespräch mit Eltern als hilfreich und erfolgreich erleben?
Vermutlich wünschen Sie sich als erstes, dass die Eltern Ihnen offen, interessiert und mit Vertrauen in Ihre Fachkompetenz zuhören und Ihre Einschätzung der Situation ernst nehmen. Weiter wäre es ja auch wünschenswert, wenn die Eltern mit Ihnen gemeinsam nach Lösungen suchen würden, anstatt Ihnen Vorwürfe für vermutete Versäumnisse zu machen. Es wäre konstruktiv, wenn die Eltern Verantwortung für ihren Bereich und ggf. ihren Anteil des Problems übernähmen. Gelingt es Ihnen selbst, sich klar und konstruktiv gegenüber Einmischungen in Ihrem Bereich abzugrenzen?
Was wünschen sich Eltern von einem Gespräch mit Lehrkräften? Meine Kollegin, Mona Kino, bekam auf diese Frage von Eltern u.a. folgende Antworten: „Transparente Zusammenarbeit, Vertrauen, Fachkompetenz, Gleichmut, Neugier, Dialog anstelle von Monolog, Klarheit, Ehrlichkeit, Objektivität, Gerechtigkeit, Verständnis, positive Lösungsansätze für Probleme, Interesse an der Sicht der Eltern und Wunsch nach echtem Austausch, Benennen von Herausforderungen und ein gemeinsames Suchen für die bestmögliche Begleitung der Kinder und Jugendlichen …“ (Klasse Leiten Heft 2, S. 18)
Wenn beide Seiten so konstruktiv in Gespräche gehen würden, könnte eigentlich nicht viel schief gehen im Kontakt zwischen Eltern und Lehrkräften!
Leider können Sie das nicht von allen Eltern erwarten, und Sie als pädagogische Fachleute und Vertreter der Institution Schule haben den größeren Teil der Verantwortung für eine konstruktive Gesprächsatmosphäre: Sie geben den „Ton vor! In der Praxis ist es oft notwendig, sich selbst immer wieder an Grundlagen der konstruktiven Kommunikation zu erinnern:
  • Machen Sie den „Erfolg eines Gespräches nicht davon abhängig, ob es Ihnen gelingt, die Eltern von Ihrem eigenen Standpunkt zu überzeugen. Auch ein Gespräch, bei dem unterschiedliche Standpunkte deutlich werden, kann ein erfolgreiches Gespräch sein. Das entlastet!
  • Denken Sie daran: Eltern wollen in aller Regel das Beste für ihr Kind und tun auch ihr Bestes (auch wenn es für Sie zunächst nicht zu erkennen ist)!
  • Versetzen Sie sich besonders in „schwierigen Fällen in die Situation der Eltern (ggf. in der kollegialen Reflexion oder Supervision).
  • Haben Sie auch den Mut, sich abzugrenzen und bei Bedarf klar, freundlich und direkt „Nein zu sagen, wenn Sie Nein sagen wollen.
Natürlich ist neben einer konstruktiven Grundhaltung auch eine gute Vorbereitung und eine klare Struktur eines Gespräches wichtig dazu mehr im nächsten Heft!
Gern gehe ich auch auf Fragen oder Fallbeispiele von Ihnen ein!

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