1. – 10. Schuljahr

Birte Friedrichs | Susanne Pietsch

Partizipation im Unterricht

Inklusive Lernprozesse partizipativ gestalten

In der Schule steht das Lernen im Mittelpunkt das liegt auf der Hand und ist banal , doch was und wie gelernt wird, ist nicht nur abhängig vom jeweiligen Fach, sondern auch davon, wie Unterricht praktiziert wird. Wird der Unterricht geöffnet und können die Kinder und Jugendlichen auch an den Inhalten und Lernformen partizipieren, verändert sich Lernen für sie wesentlich und macht sie zu eigenverantwortlich Handelnden.

Kerngeschäft der Schule, so wird vielfach konstatiert, sei der Unterricht. Eine solche Einstellung führe dazu, so der Demokratiepädagoge Wolfgang Edelstein, dass Lehrer dazu neigten, „sich aus breiter gestellten Aufgaben zurückzuziehen. Zumindest Gymnasiallehrer empfinden sich meist als Unterrichtsspezialisten und nicht als Menschen, die vor allem mit der Entwicklung von Persönlichkeiten betraut sind. Dabei sollte im Zentrum der Schule die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen stehen (vgl. W. Edelstein in einem Interview mit von Thadden 2004).
Stehen Unterricht und die Unterstützung der Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und Jugendlichen tatsächlich in einer Art Konkurrenzverhältnis oder genauer: Ist das zwangsläufig so?
Unsere Überzeugung ist: Die Aufgabe der Entwicklungsbegleitung lässt sich durchaus im Unterricht wahrnehmen, wenn dieser partizipativ angelegt ist, d.h. wenn er zu einem Ort für Aushandlungsprozesse, Konsensfindung und Feedback wird und damit zu einem „Ort demokratischer Deliberation und Kooperation, in der die teilnehmenden Lehrer und Schüler im Geist gegenseitiger Anerkennung miteinander umgehen (Edelstein 2009, S. 12).
These 1: Partizipation dient der Persönlichkeits-entwicklung der Schülerinnen und Schüler
Damit Kinder sich gut zu eigenständigen, verantwortungsbewussten Persönlichkeiten entwickeln und nachhaltig motiviert lernen können, ohne spätestens in der Eingangsstufe der weiterführenden Schule unter Motivationsverlust zu leiden, ist es unverzichtbar, dass sie als denkende und fühlende Persönlichkeiten mit ihrem Bedürfnis nach Autonomie und Zugehörigkeit ernst genommen werden und Selbstwirksamkeitserfahrungen machen können (vgl. Grundlagenbeitrag, Klasse leiten, Heft 4). Von daher ist neben einer partizipativen Klassenleitung auch eine entsprechende Haltung der Lehrenden im Unterricht von hoher Bedeutung für die Persönlichkeitsentwicklung. Das bedeutet konkret: Soweit es die Vorgaben zulassen, sollten Entscheidungen über Unterrichtsinhalte, Lehr- und Lernformen, Sozialformen und Lernorte gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern getroffen werden. Dann erleben Kinder und Jugendliche sich als ernst genommen, verantwortlich und bedeutsam: Sie bringen sich in die Diskussion ein, übernehmen Aufgaben, versuchen sich an Herausforderungen, üben Kritik, arbeiten an der Umsetzung von Vorhaben grundständig mit und erleben sich damit als Subjekte ihres Lernens.
Das klingt einleuchtend, wie aber lässt es sich umsetzen? Wegweisend sind hier z.B. Service-Learning-Projekte wie an „Bonns Fünfte: Diese erst 2011 gegründete inklusive Gesamtschule hat sich zum Ziel gesetzt, dass sich alle Schülerinnen und Schüler frühzeitig engagieren, geleitet durch die Frage: „Was kann ich gut, was anderen nützt? Schon Siebtklässler knüpfen eigenständig Kontakte zu gemeinnützigen Organisationen aus den Bereichen Ökologie, Kultur und Soziales, in denen sie dann in einem Zeitraum von zwei Jahren mitarbeiten. Service Learning ist an dieser Schule ein wesentliches Element der Schulkultur.
„Durch ihr Engagement an Orten, an denen es einen echten Bedarf an Unterstützung gibt, erfahren die Schülerinnen und Schüler, dass sie selbst etwas bewirken und ihr Umfeld mitgestalten und verbessern können. Sie trainieren ihre sozialen und kognitiven Fähigkeiten, wenden das bisher eher theoretische Schulwissen praktisch an und erfahren dadurch seine Nützlichkeit. Die...

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