5. – 10. Schuljahr

Regina Heil | Nikola Poitzmann

Teilhabe für alle!

Der Klassenrat in sprachheterogenen Gruppen

Globalisierung, Digitalisierung, starke nationale Tendenzen und anhaltende Politikverdrossenheit sind aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen auch in der Bildungslandschaft. Politische Bildung und Demokratielernen sind daher wichtige Ansätze, um Schülerinnen und Schüler in ihren Teilhabemöglichkeiten zu stärken und sie für partizipatorische Prozesse zu motivieren.

Der Klassenrat, der mittlerweile als kleinste demokratiebildende Einheit in vielen Schulen im Land als fester Bestandteil der Schulkultur nicht mehr wegzudenken ist, rückt immer stärker in den Fokus. Ist der Klassenrat nicht genau das Medium, um in Deutschland neu dazugekommenen Kindern und Jugendlichen demokratisches Denken und Handeln im Alltag erfahrbar zu machen? Der Gedanke liegt nahe. Doch lohnt es sich, genauer hinzuschauen, welche Methoden und Kompetenzen zunächst gefördert werden sollten, damit der Klassenrat eigenständig von den Schülerinnen und Schülern durchgeführt werden kann.
Der Klassenrat als Keimzelle gesellschaftlicher Teilhabe
Die Ideen, die dem Klassenrat zu Grunde liegen, und die Kompetenzen, die die Schülerinnen und Schüler im Klassenrat erwerben, sind gut geeignet, die Teilhabe aller Schülerinnen und Schüler in Deutsch als Zweitsprache (DaZ)-Klassen wie auch in Regelklassen im System Schule zu unterstützen.
Der Klassenrat trägt dazu bei, die personalen, sozialen und methodischen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler zu fördern. Es handelt sich um ein von Schülerinnen und Schülern geleitetes, regelmäßig stattfindendes Gremium, in dem die Themen der Gruppe besprochen und entsprechende Beschlüsse gefasst und deren Umsetzung reflektiert werden (vgl. hierzu Klasse leiten, Heft 4).
Bereits einzelne Methoden des Klassenratskonzepts können Lernende dazu ermutigen, sich als Person in der Klasse einzubringen und zu erfahren, dass ihre Meinung gewünscht ist, erfragt und gehört wird: Demokratie wird nicht theoretisch vermittelt, sondern praktisch erlebt. Darauf aufbauend kann jede Lehrkraft gemeinsam mit ihrer Klasse und angepasst an die jeweiligen Bedingungen das eigene Konzept entwickeln.
Spracherwerb voranbringen und Demokratieverständnis fördern
Damit der Klassenrat nach dem obigen Verständnis stattfinden kann, benötigen die Schülerinnen und Schüler eine Reihe von Fähigkeiten und Fertigkeiten. Es soll sich um einen Raum für Schülerinnen und Schüler handeln, in dem sie ihre Themen eigenständig und ohne Unterstützung einer Lehrkraft besprechen können. Die weiter unten näher ausgeführten Kompetenzen sind darüber hinaus auch hilfreich, um die eigenen Interessen einbringen zu können und weiterzuentwickeln, zu einem konstruktiven Miteinander beizutragen und so im System Schule anzukommen und Fuß zu fassen. Doch ist es in einer DaZ-Klasse nicht erst einmal sinnvoll, die deutschen Sprachkennnisse zu erweitern?
In Publikationen zur Zuwanderung in Deutschland wie auch in der öffentlichen gesellschaftlichen Diskussion wird die Bildungssprache Deutsch als Grundvoraussetzung für Partizipation gesehen, nämlich so heißt es in einer Veröffentlichung des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge: „als Voraussetzung für die Teilhabe an der Gesellschaft, Grundlage für qualifizierte Schulabschlüsse ebenso wie für den Zugang zu Ausbildung und den Arbeitsmarkt und damit Basis für ein eigenständiges Leben (BaMF 2008, S.10). Lehrkräfte in DaZ-Klassen haben den Auftrag, Kindern und Jugendlichen diese Grundkenntnisse der deutschen Sprache zu vermitteln, damit sie möglichst schnell die sogenannte Regelklasse besuchen können, wodurch gesellschaftliche Teilhabe möglich wird.
Doch zeigt sich, dass der Unterricht in einer DaZ-Klasse situationsspezifische Herausforderungen mit sich bringt und neu dazugekommene Schülerinnen und Schüler einen Raum brauchen, in dem sie lernen können, im deutschen Schulsystem zurechtzukommen. Dazu gehören...

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