1. – 10. Schuljahr

Sandra Zentner

Wir können ihnen ruhig mehr zutrauen

Mit Lernen durch Engagement Schülerinnen und Schüler beteiligen und stärken

Mitbestimmen, eigene Ideen einbringen, Verantwortung übernehmen für sich selbst und für die Gesellschaft. Darum geht es bei „Lernen durch Engagement als demokratische Lernform in der Schule. Schülerinnen und Schüler entwickeln und gestalten gemeinnützige Projekte, sammeln Erfahrungen mit bürgerschaftlichem Engagement und erleben sich selbst als wirksam.

Lernen durch Engagement (kurz: LdE) ist eine Lehr- und Lernform aus der Demokratiepädagogik, die ihre Wurzeln im angloamerikanischen Raum hat und daher auch als Service-Learning bekannt ist. Sie verbindet gesellschaftliches Engagement von Schülerinnen und Schülern mit fachlichem Lernen im Unterricht (Seifert/Zentner/Nagy 2019). LdE kann in allen Schularten, Altersstufen und zu vielen unterschiedlichen Inhalten umgesetzt werden, z.B.:
  • An einer Hamburger Grundschule sind bereits Erstklässlerinnen und Erstklässler mit Lernen durch Engagement aktiv in hoher Eigenverantwortung: „Die Kinder sind von Anfang an für das Projekt zuständig, sie müssen es aufsetzen, planen, den Ablauf organisieren und umsetzen, so der Schulleiter der Grundschule Arnkielstraße (Füßler 2016, S. 17). Sie haben sich mit Tieren und Pflanzen im Wald beschäftigt, übten schreiben und rechnen und organisierten einen Erlebnistag im Wald mit Naturerkundungen, Spielen und Mittagessen für die Kinder einer nahegelegenen Kita. In zwei wöchentlichen Stunden mit ihrer Klassenleiterin haben sie dieses Engagement ein Halbjahr lang sorgfältig vorbereitet, Arbeitsgruppen gebildet, Aktivitäten geplant, Absprachen mit der Kindertagesstätte getroffen, mit Unterstützung älterer Mitschülerinnen und Mitschüler Einladungen verfasst, Essen eingekauft und schließlich die Kitakinder zum Waldtag abgeholt. Zurück in der Schule wertete die Klasse ihr Engagement aus: Erfahrungen wurden reflektiert und Ideen für eine weitere Zusammenarbeit mit der Kita gesammelt. Daraus entstanden neue Projekte: Vorlesestunden in der Kita, Rollertraining für die Kleinen, gemeinsame naturwissenschaftliche Experimentiertage.
  • Eine achte Klasse beschäftigt sich in Biologie und Ethik mit dem Thema „Drogen und Sucht und engagiert sich für eine Anlaufstelle für Streetwork in ihrer Gemeinde, indem sie dort die tägliche Arbeit unterstützt, z.B. durch Kochen für Jugendliche mit Suchterfahrung (ein LdE-Projekt der Gustav-Walle-Schule in Würzburg).
  • Schülerinnen und Schüler aus der Oberstufe setzen sich im Profil „Medien und Gesellschaft mit Lokalpolitik und Bürgerbeteiligung auseinander und entwickeln in Kooperation mit dem Bezirksamt eine Online-Umfrage zur Nutzung von Parks und Plätzen im Stadtteil. Die Ergebnisse bringen sie im Stadtplanungsausschuss ein und machen konkrete Vorschläge für die Gestaltung öffentlicher Grünflächen (ein LdE-Projekt des Gymnasiums Corveystraße in Hamburg).
  • An einer Berufsschule lernen Jugendliche Grundlagen der Körperpflege und biologische Alterungsprozesse kennen, sprechen über soziale Absicherung und Lebensweisen im Alter und gestalten wöchentliche Wellnessstunden mit Kosmetik und Massage für Seniorinnen und Senioren eines benachbarten Pflegeheims (ein LdE-Projekt der Berufsbildenden Schulen V in Halle an der Saale).
Die Einblicke in die Praxis zeigen, wie vielfältig Lernen durch Engagement ausgestaltet sein kann. Allen Projekten gemeinsam ist, dass junge Menschen auf doppelte Weise Beteiligung erfahren: im Unterricht und in der Gesellschaft. Im Sinne einer demokratischen Lernkultur planen und gestalten sie ihre Projekte selbst, reflektieren in der Klasse über den Verlauf ihres Engagements, besprechen Probleme und erarbeiten Lösungsvorschläge. Dabei wenden sie ihr Wissen und ihre Kompetenzen direkt in der Praxis an, indem sie aktiv werden für soziale, ökologische, kulturelle oder politische Themen, die sie bewegen.
Für den Start mit Lernen durch...

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