5. – 10. Schuljahr

Sebastian Faber

Wozu Klassensprecher?

Schülerpartizipation so oft dieses Schlagwort in den Hochglanzbroschüren der meisten Schulen vorkommt und so gerne seine Wichtigkeit betont wird, so schwierig gestaltet sich im Schulalltag die Verwirklichung dieses zweifellos essenziellen Grundmoments.
Für Schülerinnen und Schüler ist das oft ernüchternd: Alle Vorstöße müssen zunächst von Lehrkräften oder der Schulleitung abgenickt werden, SV-Arbeit ist geprägt von Rückschlägen und letztendlich lernt man schon bald, dass man nur so weit gehen kann, wie es keine Kapazitäten, kein Geld und keine Lehrerprivilegien kostet. Wann immer sich Schülerinnen und Schüler engagieren, stoßen sie auch bald an Grenzen leider lässt sich das über die meisten Ansätze von Schülerpartizipation sagen. Soll beispielsweise für ein außerhalb des Unterrichts verortetes SV-Projekt Unterrichtszeit in Anspruch genommen werden, ist das Veto der betreffenden Lehrkraft die normale Reaktion, soll eine theoretische Idee, die noch bei der Vorstellung von allen Seiten gelobt wurde, dann mit allen Kosten umgesetzt werden, verschwindet sie schnell in der Schublade.
Doch trotz allem Entmutigenden gibt es stets Schülerinnen und Schüler, die sich zu Vertretern ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler wählen lassen, die sich stark machen für die Schulgemeinde, die an eben jene Grenzen gehen und vielleicht gar dafür kämpfen, diese zu überwinden. Im Zentrum der verschiedenen Rollen, die es innerhalb der Schülerschaft gibt, stehen dabei eindeutig die Klassensprecher/-sprecherinnen. Sie sind am nächsten dran an den Anliegen ihrer Mitschülerinnen und Mischüler und müssen nicht wie Schulsprecher viele Jahrgänge, sondern „nur ihre Klasse repräsentieren. Dadurch ist eine starke Identifikation mit der zu vertretenden Interessengruppe gegeben.
Ein guter Klassensprecher zu sein, ist dabei jedoch gar nicht so leicht es braucht Empathie und die Fähigkeit, zuhören zu können, ebenso wie das Gespür, wann es Demokratie braucht und ein Gefühl für Gerechtigkeit, wenn es darum geht, Streit zu schlichten oder Entscheidungen zu fällen. Zudem müssen Probleme, sofern sie nicht klassenintern zu lösen sind, nach außen an die entsprechenden Stellen weitergegeben werden, was Kommunikations- und Organisationssinn erfordert. All das unter einen Hut zu bringen, kostet zudem Energie Energie, die freiwillig und zusätzlich zum sonstigen Schulalltag aufgebracht werden muss.
Wozu also wird man Klassensprecher, warum bürdet man sich ein solches Amt auf? Es würde die Wirklichkeit verzerren, wenn man alle Klassensprecher und -sprecherinnen als engagierte Überzeugungstäter darstellte. Selbstverständlich gibt es einige, die sich am Anfang eines Schuljahres wählen lassen, sich über ihr Amt freuen und es dann mehr oder weniger bis zum Ende des Schuljahrs aussitzen. Manchmal spielt die naive Vorstellung, es könne den Lebenslauf aufhübschen, wenn man einmal Klassensprecher gewesen ist, die zentrale Rolle. Manchmal ist es der Wunsch, sich durch den Gewinn der Wahl seiner eigenen Beliebtheit zu vergewissern immerhin wählen hier nicht irgendwelche Unbekannten, sondern die vertrautesten Mitschülerinnen und Mitschüler. Manchmal mag es vielleicht auch nur die Tatsache sein, dass die SV-Sitzungen stets in der Schulzeit liegen und damit legitimierten Unterrichtsausfall bedingen, die den Ausschlag gibt, zu kandidieren.
Doch es gibt auch viele , die aus dem aufrichtigen Wunsch heraus, die Interessen der Klasse zu vertreten, das Amt begehren. Die die Schulgemeinde mitgestalten möchten. Die ihren Mitschülerinnen und Mitschülern eine Stimme verleihen wollen. Diese Klassensprecher bzw. -sprecherinnen sind für jede Schule ein Glücksfall. Wenn es um Schülerpartizipation geht, kommt man an ihnen nicht vorbei.
Es wäre wünschenswert, dass das System der Partizipation sie nicht allzu schnell entmutigt, indem sie nicht bei jedem Vorhaben ausgebremst werden. Vielleicht sogar dann nicht, wenn sie...

Weiterlesen im Heft

Vorteile im Abo

Exklusiver Online-Zugriff auf die digitalen Ausgaben der abonnierten Zeitschrift
Print-Ausgabe der abonnierten Zeitschrift bequem nach Hause
Zusatzvorteile für Abonnenten im Online-Shop genießen