1. – 10. Schuljahr

Klaudia Klaffke|Kristina Schramm

Beziehungs-Weise

Persönliche Autorität statt Machtkämpfe

Hand aufs Herz: Haben Sie sich in der letzten Zeit einmal Gedanken gemacht, wie sich Ihre pädagogischen Maßnahmen, mit denen Sie unerwünschtes oder erwünschtes Verhalten beeinflussen wollen, auf die Beziehung zu Ihren Schülerinnen und Schülern auswirken?
Pädagogische Maßnahmen haben im schulischen Kontext oft bestrafenden Charakter, dann wird der Begriff „Maßnahme zum Euphemismus. Der Begriff der Strafe kommt aus dem „Strafrecht und soll einerseits abschrecken und beinhaltet andererseits den Rachegedanken (Auge um Auge ) was natürlich sehr wahrscheinlich eine Gegenreaktion auslöst und/oder verletzend wirkt. Oft ist die Androhung einer Strafe ein sehr verständlicher Ausdruck von Ratlosigkeit, Ärger, Verzweiflung oder Hilflosigkeit.
Dass Strafen für eine gute Lernatmosphäre nicht gerade förderlich sind, ist wohl nicht überraschend.
Schon Kurt Lewin formulierte 1931, dass eine Strafandrohung Erzieher und Kind in eine Situation manövriere, in der sich beide als Feinde betrachten und in der das Kind auch außerhalb der Strafsituation versuchen würde, einen Kampf gegen den Erzieher zu führen, um dessen Macht zu mindern. Deshalb wird in der modernen Pädagogik bevorzugt von Konsequenzen gesprochen. Doch in der täglichen Praxis ist es oft gar nicht so leicht, eine echte Konsequenz zu finden. Ich würde sogar behaupten, wenn man lange suchen muss, dann ist es keine natürliche Konsequenz. Eine natürliche Konsequenz ergibt sich eben natürlich: z.B. wenn man zu spät zum Bahnhof kommt, dann ist die S-Bahn weg.
Doch im schulischen Kontext gibt es nicht so viele natürliche unangenehme Konsequenzen es sei denn, man versäumt z.B. eine sehr spannende Unterrichtsstunde oder Unternehmung, wenn man zu spät kommt.
Was geschieht eigentlich auf der Beziehungsebene, wenn Sie negative (oder auch positive) Konsequenzen einsetzen, um das Verhalten der Schülerinnen und Schüler zu steuern? Die versteckte Botschaft bei der Ankündigung von Strafen oder Konsequenzen ist ja: Ich rechne nicht damit, dass du dich aus Einsicht oder Respekt mir gegenüber angemessen verhältst. Damit vermittelt man indirekt eine negative Erwartungshaltung.
Die Aufmerksamkeit des Schülers/der Schülerin richtet sich dann oft eher darauf, die Strafe zu vermeiden also sich nicht erwischen zu lassen, anstatt das Verhalten wie erwünscht zu verändern. Also bringen sich Lehrkräfte dadurch in die unangenehme Lage, permanent kontrollieren und sanktionieren zu müssen denn nur, wenn alle Regelverstöße wahrgenommen und sanktioniert werden, können Konsequenzen auf der Ebene der Verhaltenssteuerung einigermaßen wirken. Allerdings sind die Kosten auf der Beziehungsebene hoch vor allem wenn die Maßnahmen von den Schülerinnen und Schülern (insbesondere bei Kollektivstrafen) als ungerecht empfunden werden.
Aber was ist die Alternative? Natürlich ist es in vielen Situationen in der Schule notwendig, auf das Verhalten der Schülerinnen und Schüler einzuwirken und deutliches Feedback zu geben, wenn ein Verhalten stört. Das „Zauberwort ist persönliche Autorität!
Machen Sie Ihre persönlichen und professionellen Grenzen sehr deutlich nehmen Sie sich selbst ernst und gehen Sie davon aus, dass auch Ihre Schülerinnen und Schüler Sie ernst nehmen. Wenn Sie in der Klasse Eindruck machen wollen, ist es nicht nur entscheidend, was Sie sagen, sondern auch wie:
  • Klar, nachdrücklich mit entspannter Präsenz oder zaghaft mit künstlich freundlich-hoher Stimme?
  • Herzhaft-wütend oder vorwurfsvoll-klagend?
Unterstützt Ihre Körperhaltung Ihre Botschaft? Wenn Sie gefühlt schon hundertmal erfolglos Ruhe eingefordert haben sparen Sie sich einen weiteren Versuch! Holen Sie sich professionelles Feedback und Unterstützung, um herauszufinden: Wie wirke ich auf die Klasse?
Sie könnten einen Kollegen, eine Kollegin Ihres Vertrauens um eine Hospitation und ein ehrliches, konstruktives...

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