7. – 10. Schuljahr

Adeline Heim

„Hier sind wir am Wort!

Der Klassenrat als wirksames Instrument der Partizipation

Der Klassenrat ist mehr als eine Methode. Er stärkt die Klassengemeinschaft und hilft, positive soziale Beziehungen zu gestalten. Die Kinder und Jugendlichen übernehmen Verantwortung für sich und das Gemeinsame. Sie können sich aktiv einbringen und etwas bewirken. Voraussetzung dafür ist, dass man es ihnen zutraut.

Der Begriff „Klassenrat kommt ursprünglich aus der Freinet-Pädagogik und ist eine regelmäßig stattfindende Gesprächsrunde innerhalb der Klasse. Lehrpersonen und Schülerinnen und Schüler besprechen gemeinsam konkrete Anliegen der Klassengemeinschaft (Probleme, Konflikte, Projekte, gemeinsame Aktivitäten), aber auch Angelegenheiten, die das gesamte Schulleben betreffen können.
Es wird lösungsorientiert gearbeitet mit dem Ziel, für alle Beteiligten möglichst einvernehmliche Lösungen zu finden (Blum 2012, S. 8; Eikel 2006, S. 33).
Einführung des Klassenrats als Teil des Schulprogramms
Das erste Mal ist mir der Klassenrat im Zusammenhang mit Peer-Group-Education begegnet. In diesem pädagogischen Konzept steht u.a. die Überlegung im Fokus, die Problemlösungskompetenzen von Kindern und Jugendlichen in Erziehungsprozesse einzubeziehen (Faller 1996, S. 13). Das trifft auch auf den Klassenrat zu.
An unserer Schule (Gymnasium, je vier Jahre Unterstufe und Oberstufe) haben wir den Klassenrat ab der 9. Klasse als Unterrichtsform mit einer Wochenstunde eingeführt, um den Übergang von der Unterstufe zur Oberstufe zu unterstützen, wenn sich vieles ändert: Die Klassen werden neu zusammengesetzt, die Klassenlehrkräfte sind neu, es kommen neue Unterrichtsfächer dazu und die Pubertät ist noch nicht überwunden. Mit dem Klassenrat geben wir den Jugendlichen die Möglichkeit, ihre Anliegen und Schwierigkeiten in einem besonderen Rahmen zu besprechen. Gleichzeitig wollen wir als Schule unseren Schülerinnen und Schülern Erfahrungs- und Handlungsfelder eröffnen, in denen sie demokratische Kompetenzen erwerben können.
Viele Klassenlehrkräfte an unserer Schule implementieren den Klassenrat in den Schlüsselkompetenzstunden der Sekundarstufe I. Die Kinder sind in dieser Altersstufe sehr motiviert und offen für den Klassenrat. Sie fühlen sich ernst genommen, werden früh mit einer konstruktiven Kultur des Diskutierens, Debattierens und Verhandelns vertraut gemacht. Wenn es in der Sekundarstufe II um komplexere Inhalte und Schwierigkeiten in der Lerngruppe geht, können sie auf ihre Erfahrungen aus dem Klassenrat zurückgreifen. Gerade für Pubertierende ist es oft schwer, sich in der Klasse zu zeigen und offen über ihre Probleme zu sprechen. Wenn sie aber mit dieser Kultur vertraut sind, die Struktur und die Kommunikation geübt haben, verlaufen die Diskussionen und Debatten erfahrungsgemäß konstruktiver.
Aus meiner Sicht ist es auch wichtig, die Eltern einzubeziehen. Daher wird der Klassenrat an unserer Schule an Elternabenden und am Tag der offenen Türen vorgestellt inzwischen übernehmen das die Schülerinnen und Schüler selbst. Die Resonanz der Eltern ist durchwegs positiv.
Erfahrungen aus der Praxis
Das Gelingen des Klassenrates hängt maßgeblich von einer sorgfältigen Begleitung ab. Ich habe mich bei der Einführung genau an den Leitfaden (Toolbox M2) gehalten (Blum 2012, S. 37; Friedrichs 2009, S. 32f.), der in den Standardwerken zum Klassenrat vorgegeben ist. Erfahrungen an unserer Schule zeigen, dass der Klassenrat scheitern kann, wenn in dieser Hinsicht nicht genau gearbeitet wird. Der ritualisierte Ablauf gibt den Kindern und Jugendlichen Sicherheit. Schon nach kurzer Zeit können sie den Klassenrat moderieren. Eine Lehrperson muss immer anwesend sein. Sie trägt die Verantwortung für den Prozess und sorgt für den entsprechenden Rahmen.
Ein verbindlicher Termin
Mit meiner derzeitigen 7. Klasse habe ich vereinbart, dass wir einmal im Monat in der Schlüsselkompetenzstunde eine Klassenratssitzung abhalten ...

Weiterlesen im Heft

Vorteile im Abo

Exklusiver Online-Zugriff auf die digitalen Ausgaben der abonnierten Zeitschrift
Print-Ausgabe der abonnierten Zeitschrift bequem nach Hause
Zusatzvorteile für Abonnenten im Online-Shop genießen