1. – 10. Schuljahr

Cornelia Eder

Klassenrat Kinderkonferenz Schülerrat

Die Klasse als Keimzelle für partizipative Schulentwicklung

Zu sehen, dass demokratische Ziele erreicht, mehr noch, verinnerlicht werden, ist erfüllend und zeigt, welche positiven Wirkungen die Mitbestimmung von Schülerinnen und Schülern auf die Schulkultur hat. An der Christian-Bitter-Schule in Nordhessen hat sich aus der Einführung des Klassenrats der Wunsch entwickelt, mehr Verantwortung und Teilhabe zu ermöglichen, sodass schließlich die Kinderkonferenz und auch der Schülerrat fest im Schulleben verankert wurden.

„Kann ich das nächste Mal die Kinderkonferenz moderieren?, „Wann ist nochmal der Schülerrat?, so wurde ich oft auf dem Flur von Schülerinnen und Schülern angesprochen, als die Durchführung der monatlichen Kinderkonferenz, des Schülerrates und des wöchentlichen Klassenrates zu festen Bestandteilen des schulischen Lebens der Christian-Bitter-Schule, einer Grundschule im nordhessischen Melsungen, geworden waren.
Der Klassenrat
Alles begann mit der Einführung des Klassenrates (s.a. Beitrag Heim). Gemeinsam machten sich die Schulleitung und das Kollegium mit einer Klassenrat-Fortbildung im Rahmen des HKM-Projektes „Gewaltprävention und Demokratielernen (s.a. Beitrag Rademacher, vgl. www.gud.bildung.hessen.de, Materialien Klassenrat) auf den Weg ein Gremium zu etablieren, um den Schülerinnen und Schülern mehr Partizipation zu ermöglichen. Bereits nach dem ersten Fortbildungsmodul wurde das Gremium in allen Klassen eingeführt. Einmal wöchentlich gab es nun eine festgelegte Zeit, in der die Themen der Schülerinnen und Schüler im Zentrum standen. Sukzessiv lernten die Kinder bereits ab der 1. Klasse:
  • die Ämter zu verteilen,
  • den Klassenrat selbst zu leiten,
  • Gespräche zu moderieren,
  • Themen argumentativ vorzubringen und zu diskutieren,
  • Lösungswege zu entwickeln,
  • Abstimmungen durchzuführen,
  • Beschlüsse zu fassen und umzusetzen,
  • Protokolle zu verfassen.
Student/Portmann kategorisieren den möglichen Kompetenzerwerb durch den Klassenrat in die Bereiche:
  • „Kompetenzen zur demokratischen Mitsprache und Aushandlung,
  • „Kompetenzen zur aktiven Mitgestaltung des sozialen Zusammenlebens und
  • „Kompetenzen zur politischen Mitbestimmung und Mitentscheidungen (Student/Portmann 2007, S. 81/82).
Ein Transfer der dort erprobten Aushandlungsprozesse und Problem-Lösungs-Strategien zeigte sich auch jenseits des Klassenrates im alltäglichen Handeln. Die Schülerinnen und Schüler waren motiviert, ihre Angelegenheiten selbstständig zu regeln und erlebten Anerkennung, Einflussnahme und Selbstwirksamkeit. Nach der Selbstbestimmungstheorie von Deci und Ryan entsteht dann intrinsische Motivation, wenn die Lernenden sich autonom, kompetent und sozial eingebunden fühlen (vgl. Deci/Ryan 1993, S. 227). Durch die Selbstwirksamkeitserlebnisse und die Erfahrungen gelebter Demokratie begann sich bei den Lernenden ein „demokratischer Habitus zu entwickeln (Edelstein 2009, S. 9). Dies wurde in Situationen offensichtlich, die für die Schülerinnen und Schüler bedeutsam waren. So kam ein Schüler nach der Pause auf mich zu und erklärte, er benötige Zeit für ein Klassengespräch und eine Abstimmung. Es müssten neue klasseninterne Absprachen getroffen werden, da es in einer bestimmten Spielsituation in der Pause oft Streit gäbe. So leitete der Schüler ein Gespräch zu Beginn der folgenden Unterrichtstunde, formulierte eine Abstimmungsthese und schrieb anschließend den Beschluss in das Protokollbuch. Hier zeigt sich deutlich, dass Kinder bereit sind, nicht nur für sich, sondern auch für die Gemeinschaft Verantwortung zu übernehmen, die ohne Mitbestimmung nicht möglich wäre.
In der Praxis des Klassenrates wurden nach einiger Zeit auch seine Grenzen deutlich. Die Schülerinnen und Schüler meldeten vermehrt Gesprächsbedarf an schulischen oder klassenübergreifenden Sachverhalten an. Wie sollte nun mit Themen des Schullebens oder der Schulorganisation...

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