5. – 10. Schuljahr

Fabian Pflume

„Mit Betreten des Schulgeländes verlassen Sie den demokratischen Sektor

Partizipation aus Sicht eines Landesschulsprechers

Die Titelaussage des Beitrags, wenn vielleicht auch mit Augenzwinkern gemeint, sagt doch einiges darüber, wie viel oder besser wenig echte Teilhabe an Deutschlands Schulen stattfindet. Der hessische Landesschulsprecher, Fabian Pflume, hat zu dieser Situationsbeschreibung einige Anmerkungen notiert.

Schule ist ein Ort, an dem wir Schülerinnen und Schüler nicht nur theoretisch mit Demokratie in Berührung kommen sollten. Wir sollten vielmehr Demokratie im Schulalltag erleben und erlernen. Erforderlich dafür sind weitreichende Möglichkeiten der Mitbestimmung sowie ein Miteinander aller Beteiligten auf Augenhöhe. Diese Beteiligung ist ein kontinuierlicher Prozess, mit dem in der Schule frühzeitig begonnen werden muss. Das Sprichwort „Übung macht den Meister trifft auch auf Demokratie zu. Je früher wir in demokratische Prozesse miteinbezogen werden, desto schneller kommen wir in diesem Demokratietraining voran, desto besser verstehen wir Demokratie und desto sicherer sind wir im Umgang mit ihr und können sie verteidigen.
Damit wir auch im späteren Leben für uns sowie andere Mitmenschen Verantwortung übernehmen können, müssen wir bereits vorher gelernt haben, Entscheidungen eigenständig zu treffen und uns als aktiven Teil von Entscheidungsprozessen erlebt haben. Wenn wir die Demokratie als Gesellschaftsmodell ernst nehmen, dann muss dieses Modell auch für die verschiedenen gesellschaftlichen Institutionen, insbesondere für das Bildungssystem gelten. Bei Entscheidungen sollten die Menschen mit eingebunden werden, die auch betroffen sind.
Die Landesschülervertretung aus Rheinland-Pfalz plakatiert jedoch schon seit Jahren den Warnhinweis: „Mit Betreten des Schulgeländes verlassen Sie den demokratischen Sektor der Bundesrepublik Deutschland! Das mag überspitzt sein, spiegelt aber den Eindruck vieler SV-Vertreterinnen/SV-Vertretern wider. Ihr Engagement in der SV wird leider zu häufig als billige Ausrede zum Schule-Schwänzen abgetan.
Schülerinnen und Schüler fühlen sich nicht berücksichtigt
Als hessische Landesschülervertretung haben wir vor wenigen Monaten über 50.000 unserer Mitschülerinnen und Mitschüler zur Lage an ihren Schulen befragt. Der Aussage: „Ich habe das Gefühl, dass meine Meinung bei Veränderungen im Schulalltag berücksichtigt wird. haben nur 19,9% der Befragten vollständig oder zumindest teilweise zugestimmt (s. Tabelle). Als Ort, an dem mündige Bürger erzogen werden, taugt die Schule daher aktuell nur bedingt, wenn sie nicht sogar durch den Ausschluss der Schülerinnen und Schüler von Partizipationsmöglichkeiten demotiviert.
Außerdem hat die Umfrage ergeben, dass Schülerinnen und Schüler ihre Mitsprachemöglichkeiten, je älter sie werden, als immer geringer einschätzen. Das könnte einerseits daran liegen, dass die Erwartungen an eigene Mitbestimmungsmöglichkeiten mit dem Alter steigen. Gerade in oberen Jahrgängen, in denen der Lehrplan Zeitdruck erzeugt, kommt demokratische Beteiligung jedoch auch immer häufiger zu kurz.
Wie kann es sein, dass den Abschlussjahrgängen teilweise nicht einmal die Wahl über das Ziel der Abschlussfahrt überlassen wird, sondern sie im Gegenteil vor vollendete Tatsachen gestellt werden?
Einige Schülervertretungen beklagen, dass Beschlüsse, bei denen der Schülerrat mitstimmungsberechtigt ist, als unter andere Paragraphen fallend dargestellt wird und so die Schülerinnen und Schüler um ihre Mitsprache gebracht werden, wenn sie sich nicht aktiv dagegen wehren. So muss der Schulordnung etwa auch der Schülerrat, also die Mehrheit der Klassensprecherinnen und Klassensprecher, zustimmen. Eine neue Handyregelung kann aber auch an der Schulordnung und damit der Schülerschaft vorbei beschlossen werden, auch wenn das eigentlich nicht so vorgesehen ist. Solche Demokratiedefizite sollten an Schulen in einem Rechtsstaat wie...

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