1. – 10. Schuljahr

Birte Friedrichs | Thomas Klaffke | Susanne Pietsch

Partizipation im Klassenzimmer

Kinder und Jugendliche beteiligen

Sollen aus Kindern und Jugendlichen einmal Erwachsene werden, die sich verantwortungs-vvoll für die Belange der Gesellschaft engagieren, müssen sie frühzeitig lernen, wie sie sich beteiligen können und was echte Teilhabe bedeutet. Das gelingt nicht von heute auf morgen, aber Elternhaus und Schule sind gute Orte für einen solchen Anfang, und am Ende dieses Prozesses stehen hoffentlich junge Menschen, die erfahren haben, dass sich der Einsatz für die Rechte und Pflichten lohnt, die eine Demokratie mit sich bringt.

Klassenführung und Klassenleitung können eine große Rolle bei der Entwicklung von Partizipation spielen. Die Begriffe „Führung und „Leitung mögen zunächst mit dem Begriff der Partizipation nicht vereinbar erscheinen. Wenn es allerdings als Ziel von Klassenführung gesehen wird, die Autonomie der Lernenden zu fördern, wozu Partizipation notwendig ist (vgl. Klaffke 2013), findet beides durchaus zueinander. Dennoch steht auf den ersten Blick das Mittel Führung/Leitung im Widerspruch zum Zweck der Autonomie. Dieser Widerspruch besteht in Erziehungsprozessen überhaupt, weshalb manche Erwachsene auch Pädagogen und Pädagoginnen eher einen partnerschaftlichen Erziehungsstil bevorzugen und es ablehnen, Führungsverantwortung zu übernehmen. Dagegen ist zu sagen, dass Autonomie kein statischer Zustand ist, der irgendwann mit dem Eintritt ins Erwachsenenalter erreicht wird, sondern dass wir es hier mit einem Prozess zu tun haben, der bereits mit der Geburt beginnt. Die Rolle der Erwachsenen hierbei ist, gute Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Kinder Schritt für Schritt selbstständiger werden. Für Lehrkräfte ist es wichtig, sich bewusst zu machen, dass Kinder schon vor der Schule autonome Kompetenzen erworben haben, und für Kinder ist es wichtig, dass Lehrkräfte diese Kompetenzen erkennen, fördern und für den Unterricht und für das Sozialgefüge von Klassen produktiv machen.
Einer der Didaktiker, der die Antinomie von Führung und Autonomie gründlich durchdacht hat, war Lothar Klingberg, ein Schüler Ernst Blochs, der auch noch nach der Wende in Potsdam lehrte.
„Ist es denn wirklich so, daß der Aspekt der Führung alleine auf der Seite der Lehrenden liegt und daß die Position der Lernenden alleine durch Selbsttätigkeit charakterisiert ist? (Klingberg 1990, S. 9)
Klingberg führt aus, dass eine Klassenführung ohne Mitwirkung der Lernenden erfolglos bleibe, da ihre Teilnahme, Mitarbeit, innere Zustimmung, aber auch Kritik konstitutiv für das Fortschreiten des Unterrichts sei (ebd. S. 69ff.). Klassenführung und Schüler-Handeln müssten ineinandergreifen, es gehe nicht um „Subjekte und „Objekte von Pädagogik und Didaktik, wobei die Lernenden „geformt werden müssten, sondern um einen Prozess, in dem sich die Persönlichkeiten der Kinder und Jugendlichen entfalten und die Lehrpersonen dafür günstige Bedingungen schaffen müssten.
Der Ansatz einer partizipativen Klassenleitung ist für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen förderlich. Ob es um die maßgebliche Mitwirkung am Klassen- und Schulleben oder an der Unterrichtsgestaltung geht, für Partizipation in der Schule sind jeweils die folgenden vier Begründungszusammenhänge richtungsweisend:
Partizipation in der Schule
Demokratiepädagogik
Die Erziehung zu mündigen Bürgern und Bürgerinnen einer demokratischen Gesellschaft ist der staatsbürgerliche Auftrag von Schule. „Wir wollen, dass Schüler in unseren Schulen ein positives Verhältnis zur Demokratie entwickeln, dass sie mit demokratischen Überzeugungen ins Leben gehen und dass die Schule dazu beiträgt, aus Schülern Demokraten zu machen (Edelstein 2009, S. 7), betont der Erziehungswissenschaftler und Gründer der Deutschen Gesellschaft für Demokratiepädagogik Wolfgang Edelstein.
Demokratie kann nur durch Demokratie gelernt werden, so bereits die Einsicht John Deweys....

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