5. – 10. Schuljahr

Rezension und Interview

Film: Berlin Rebell High
Schule für „Gescheiter(t)e?
Der Film „Berlin Rebel High School erzählt vom Glauben an eine Bildung im erweiterten Sinne, vom Lernen für das Leben und der intrinsischen Motivation junger Erwachsener, das Abitur zu erreichen.
Im Zentrum steht die Schule für Erwachsenenbildung e.V. aus Berlin-Kreuzberg, kurz SFE genannt, die 1973 von rebellischen Schülerinnen und Schülern als Gegenbewegung zur Regelschule gegründet wurde.
Die Dokumentation beleuchtet fünf junge Erwachsene, denen eine erfolgreiche Schullaufbahn mit dem Abschluss des Abiturs bisher aus verschiedenen Gründen untersagt, verwehrt oder nicht möglich war. Szenisch und grafisch interessant aufbereitet, werden die ProtagonistInnen und ihre Hintergründe kurz, aber doch deutlich, vorgestellt.
Die SFE nimmt junge Menschen ohne Vorbedingung auf. Ohne Noten und die Frage nach der Versetzung gibt sie ihnen eine zweite Chance. Die ProtagonistInnen schlagen hier den Weg zum Abitur erneut ein. Dabei wird nur bei manchen von ihnen klar, warum dieser Schulabschluss für sie selbst oder ihren weiteren Lebensweg bedeutsam ist.
Unkommentiert und authentisch beginnt der Film nach einer kurzen Exposition in den Räumen der SFE, einem Berliner Altbau, zum Teil heruntergekommen, mit zahlreichen Graffitis und offenbar kaum medialer Ausstattung. Die Rahmenbedingungen, unter denen die Schule arbeitet, werden kaum vorgestellt. Zu erwähnen ist, dass das Schulkonzept, so Beate, ohne hierarchische Strukturen auskomme, vieles in der Selbstverwaltung und Mitgestaltung aller Mitglieder liege. Es werde basisdemokratisch, solidarisch und nicht konkurrenzorientiert gearbeitet und es gebe keine Schulleitung, jeder sei gefragt, ob beim Lernen, Putzen, Kochen oder in der wöchentlichen Vollversammlung. Ziel sei, ein gemeinsames Lernen ohne Leistungsdruck zu ermöglichen. Schule sollte auch für Lehrende „nicht so diese Zentrifugalkraft entfalten, nicht alles sein, sagt Klaus, Deutschlehrer an der SFE. „Man muss selber von irgendetwas begeistert sein, man muss das vorleben. Der Lernprozess der ProtagonistInnen wird im Film in drei Phasen dargestellt:
Phase 1 Begeisterung: In Abgrenzung zum Regelschulwesen, das die Neugier ausbremsen würde, werde Lernen an der SFE interessengeleitet, orientiert am Individuum und partizipativer gestaltet. Unterrichtende kommen zu Wort, erzählen von ihrer Begeisterung für das Fach und die Menschen, denen sie es vermitteln. Lernen realisiere sich über den Dreiklang von fachlicher Begeisterung, der Ermöglichung von Beziehung und dem Gewähren von Vertrauen. Damit stecke man die Lernenden an.
Phase 2 Ernüchterung: Auch an der SFE tauchen altbekannte Probleme auf: Die Lernhaltung aus der Vergangenheit holt offenbar viele ein. Fehlende Anwesenheit, Selbstzweifel, Überschätzung oder herausfordernder Lernstoff lähmen zuweilen den Lernprozess und produzieren Konflikte. „Lernen wird als Qual empfunden und das ist eigentlich ein Jammer, denn Lernen kann so unglaublich viel Spaß machen, konstatiert Klaus.
Phase 3 Produktives Arbeiten: In der Auseinandersetzung mit den zuvor geschilderten Herausforderungen und mit dem Nahen der Abiturprüfungen entsteht eine produktive Lernatmosphäre, in der sich die Lernenden gegenseitig unterstützen. Da die SFE eine Privatschule ohne Prüfungsberechtigung ist, werden die Abiturprüfungen an anderen Gymnasien abgehalten.
Unkommentiert dokumentiert der Film eine Schule als Kontrastprogramm zur Regelschule, die die Zuschauenden dennoch mit so mancher Frage zurücklässt. Da ist die fehlende Auseinandersetzung mit dem System Schule. Die ZuschauerInnen werden mitgenommen in eine utopisch anmutende Sphäre der Ermöglichung und Realisierung von Bildung in einer Schule, die keine sein will. Leider bleibt die dokumentarische Darstellung in dieser Sache sehr bruchstückhaft und rudimentär. Hierüber scheint sich eine Sicht auf die Regelschule zu manifestieren, die...

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